Hurrikan "Sandy":Lehre 5: Man diskutiert wieder leise über den Klimawandel

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Seit Hurrikan Sandy zur Bedrohung für die Ostküste der USA wurde, haben sich auch in Amerika wieder Stimmen erhoben, die auf einen möglichen Zusammenhang solcher Stürme mit dem Klimawandel hinweisen.

Schließlich ist die Temperatur der Atmosphäre seit der Industriellen Revolution gestiegen, die Meere sind wärmer, die Luft ist feuchter, das Grönlandeis schmilzt stärker als je zuvor, der Meeresspiegel steigt. Und solche Faktoren haben natürlich einen Einfluss auf das Wetter insgesamt. Vermutlich auch auf die Entwicklung von Wirbelstürmen - und ihre Zerstörungskraft. Mit anderen Worten: Hurrikan Sandy und der Klimawandel könnten durchaus zusammenhängen.

Auf der anderen Seite wissen Klimaforscher, dass ein einzelner extremer Sturm nicht zum Beweis taugt. So hat der Weltklimarat IPCC im vergangenen Jahr berichtet, dass tropische Wirbelstürme in einigen Regionen zwar heftiger werden könnten - dass es jedoch bislang kaum Belege dafür gibt, dass der Mensch sie derzeit schon beeinflusst. Sandy passt demnach in das Szenario der Klimaforscher, die eine Zunahme extremer Wetterereignisse erwarten. Der Sturm selbst ist jedoch nur einer mehr, den die Wissenschaftler in ihren Analysen berücksichtigen.

Immerhin hat Sandy aber dazu geführt, dass über den Klimawandel und seine Folgen in den USA überhaupt wieder gesprochen wird. Das war während des Präsidentschaftswahlkampfes in den USA bislang so gut wie nicht der Fall. Weder Amtsinhaber Barack Obama noch Herausforderer Mitt Romney hatten offenbar viel Hoffnung, dass sich mit dem Thema Wählerstimmen gewinnen lassen.

Zwar hatten beide im September auf der Homepage von Sciencedebate.org erklärt, der Klimawandel sei Realität und zum Teil vom Menschen verursacht. Obama hatte sich in der Vergangenheit auch deutlicher für Maßnahmen engagiert, die die Kohlendioxidemission senken sollen. Im Wahlkampf erwähnte er aber nur hin und wieder die Vorteile alternativer Energiequellen. Romney erklärte dem Sender NBC dagegen sogar, er sei nicht angetreten, "um den Anstieg des Meeresspiegels zu bremsen oder den Planeten zu heilen".

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Sandy am 28. Oktober auf einem Satellitenbild: Zarte Debatten über die Lage des Weltklimas.

(Foto: AFP)

Vergangenen Freitag, als Sandy schon nahte, äußerte sich Obama in einem Interview mit dem Sender MTV dazu - weil er danach gefragt wurde. Der Präsident zeigte sich selbst "überrascht" davon, dass die Erderwärmung in den Wahlkampagnen keine Rolle gespielt hatte. Nun betonte er, dass die Sache "äußerst wichtig" sei.

Inzwischen sieht auch die Mehrheit der US-Bevölkerung dies so. Wie eine Umfrage der Yale University und der George Mason University in Virginia zeigt, finden 72 Prozent, dass der Präsident und der Kongress das Thema wichtig nehmen sollten. 2010 waren dies noch 57 Prozent gewesen. 70 Prozent sind dafür, dass die Industrie mehr tun sollte, und zwei Drittel sahen hier die Bürger selbst in der Pflicht. Eine große Klimawandel-Debatte wird Sandy nicht auslösen - doch ins amerikanische Bewusstsein geholt hat der Sturm das Thema allemal. (Markus C. Schulte von Drach)

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