Sturmschäden in Louisiana:Idas Spuren der Verwüstung

Hurrikan ´Ida" in den USA

Mitglieder des Louisiana State Fire Marshal's Office retten Menschen aus den Fluten.

(Foto: Gerald Herbert/dpa)

Hunderte Menschen warten nach Hurrikan "Ida" in ihren zerstörten Häusern auf Rettung. Für mehr als eine Million Haushalte gibt es keinen Strom.

Von Julius Bretzel

Als der Hurrikan Ida am Sonntag über den US-Bundesstaat Louisiana fegte, waren die Menschen machtlos. Manche flohen, andere verbarrikadierten sich in ihren Häusern, warteten und hofften auf ein schnelles Ende des Sturms. "Wir fielen auf unsere Knie und baten den Herrn darum, uns zu schützen", sagte Lionel Hawkins aus Houma dem amerikanischen Nachrichtensender CNN. Hawkins' Haus steht noch, nur das Dach ist beschädigt, und der Carport ist nicht mehr da. Viele Menschen hat es schlimmer erwischt. Jetzt nach der Katastrophe werden die Schäden des Hurrikans erst richtig sichtbar: überflutete Wohnorte, verschüttete Straßen und Trümmer, wo eben noch Häuser standen.

Besonders die Überschwemmungen setzen den Menschen in den betroffenen Gebieten zu. Mit Hubschraubern, Booten und Spezialfahrzeugen retteten Helfer bereits Tausende aus den Fluten. Allein im Bezirk St. John the Baptist seien fast 800 Einwohner aus überfluteten oder beschädigten Häusern in Sicherheit gebracht worden, teilte Gemeindechefin Jaclyn Hotard in US-Medien mit. Etwa anderthalb Meter hoch habe das Wasser in dem Ort gestanden. "Dies ist eine der schlimmsten Naturkatastrophen, die ich je gesehen habe", sagte sie.

Viele Menschen flüchteten auf die Dachböden oder das, was von den Dächern ihrer Häuser übrig geblieben war. Im Ort La Place, wo 200 bis 300 Menschen auf Rettung warteten, stand das Wasser mindestens drei Meter hoch, berichtet Paul Middendorf. Der freiwillige Helfer paddelte am Montag in seinem Kanu durch die Ortschaft und brachte Dutzende Leute in Sicherheit.

Hurrikan ´Ida" in den USA - Raffinerie unter Wasser

Auch in dem Ort Norco steht das Wasser in Straßen und Grundstücken.

(Foto: Chris Granger/dpa)

Rund 5000 Soldaten der Nationalgarde sollen für Aufräum- und Bergungsarbeiten in die Gebiete kommen, teilte Louisianas Gouverneur John Bel Edwards mit. Mehr als 3600 Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde Fema sind in Alabama, Florida, Georgia, Louisiana, Mississippi und Texas schon im Einsatz. Die Fema hatte im Vorfeld des Sturms bereits Stromgeneratoren verteilt, die besonders in Krankenhäusern benötigt werden. Dort ist die Lage wegen Corona angespannt.

Die gute Nachricht: Die Dämme halten

Der Gouverneur sagte, dass Ida zwar ein katastrophaler Hurrikan gewesen sei, der "Lichtblick" aber darin bestehe, dass die Deichsysteme des Bundesstaates sehr gut funktioniert hätten. Einige kleine Dämme seien zwar überflutet worden, doch zu Dammbrüchen kam es nicht. Das Hochwasserschutzsystem in New Orleans war nach dem verheerenden Hurrikan Katrina im Jahr 2005 gebaut worden. Katrina traf die Region auf den Tag genau 16 Jahre vor Ida.

Damals waren etwa 1800 Menschen ums Leben gekommen. So viele werden es dieses Mal immerhin nicht werden - bislang wurden erst zwei Todesfälle bestätigt. Angesichts der Zerstörung befürchten die Behörden aber, dass die Opferzahl in den kommenden Tagen noch steigt.

Über eine Million Haushalte in Louisiana sind laut der Website poweroutage.us derzeit noch ohne Strom. Ida hat die Hochspannungsleitungen dermaßen beschädigt, dass die Stromversorgung um New Orleans weiterhin unterbrochen ist. Einige Kunden könnten drei Wochen lang ohne Strom sein, warnte der Anbieter Entergy Louisiana. Die Stadt New Orleans forderte ihre in Sicherheit gebrachten Bürger daher auf, vorerst noch nicht zurückzukehren. Es gebe in der Stadt keine Grundversorgung, zudem seien viele Straßen voller Trümmer.

Hurrikan Ida: Schäden in New Orleans, Louisiana The roof of nearby building in the street in the French Quarter of New O

Auch in New Orleans' berühmtem French Quarter werden die Folgen des Sturms offenbar.

(Foto: imago images/UPI Photo)

US-Präsident Joe Biden versprach den Regionen die volle und langfristige Unterstützung der Bundesregierung für den Wiederaufbau. "Wir stehen euch und den Menschen an der Golfküste bei - so lange es für euch dauert, sich wieder zu erholen", sagte Biden bei einer Videoschalte mit örtlichen Verantwortlichen.

Im Laufe des Montags schwächte sich Ida zu einem Tropensturm ab. Mit Windgeschwindigkeiten von 55 Kilometern pro Stunde zog der Sturm am Montag in nordöstlicher Richtung weiter nach Mississippi und von Dienstag andann in Richtung Alabama und Tennessee. In Mississippi kamen am frühen Dienstagmorgen zwei Menschen ums Leben, weil eine Schnellstraße weggespült wurde. In Tennessee rechnen Meteorologen mit weiteren Überschwemmungen. Die Niederschläge des tropischen Tiefs werden in Teilen des Bundesstaats schon auf Flutschäden treffen: Erst vor einer Woche hatte der Tropensturm Henri dort bereits eine Hochwasserkatastrophe ausgelöst.

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