Wirbelsturm in den USA:Notstand in mindestens zehn Bundesstaaten

Mindestens zehn Bundesstaaten an der Küste hatten vorsorglich den Notstand erklärt. Die Nationalgarde steht mit mehr als 100.000 Mitgliedern für mögliche Katastropheneinsätze bereit. Die betroffene Region gehört zu den am dichtesten besiedelten Gebieten der USA. In dem erwarteten Korridor leben etwa 65 Millionen Menschen. Mehr als 2,3 Millionen Menschen wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. "Dies ist vermutlich die größte Zahl von Menschen, die in den USA je von einem einzelnen Hurrikan bedroht gewesen ist", sagte Jay Baker von der Florida State University.

A pedestrian crosses an open area as Hurricane Irene passes through Wrightsville Beach, North Carolina

Ein Fußgänger flieht in Wrightsville, North Carolina, vor dem Wirbelsturm Irene.

(Foto: Reuters)

US-Präsident Barack Obama zeigte sich bei einem Besuch in der Zentrale der Katastrophenschutzbehörde FEMA zufrieden über den bisherigen Hurrikan-Einsatz. "Ihr macht einen prima Job", lobte Obama, der zuvor wegen des Sturms Irene seinen Sommerurlaub um einen Tag verkürzt hatte. Zugleich wies er auf die Aufgaben hin, die noch vor Helfern und Einsatzkräften liegen. "Das werden lange 72 Stunden", betonte der Präsident. Der Hurrikan zieht weiter in Richtung New York, wo er am Sonntag erwartet wird.

Das Hurrikanzentrum in Miami hatte Irene in der Nacht zum Samstag zwar von Kategorie 2 auf 1 heruntergestuft, Entwarnung gab es aber nicht. Das gesamte Sturmgebiet, das nach Angaben des US-Senders CNN etwa so groß ist wie Europa, bleibe extrem gefährlich, warnten die Experten. Am Samstagmorgen maßen Meteorologen Windgeschwindigkeiten im Hurrikan von um die 140 Stundenkilometer, während sich das Hurrikansystem selbst mit etwas mehr als 20 Stundenkilometern nordwärts bewegte. Dem Sender zufolge sind US-weit rund 65 Millionen Menschen von Irene betroffen.

Auch der Flugverkehr kam zum Erliegen. Fluggesellschaften wie United Continental und Delta Airline, haben angesichts des näherrückenden Hurrikans mehr als 8.300 Flüge für dieses Wochenende gestrichen, der US-Sender ABC sprach von mehr als 24.000 Flügen. Schätzungen zufolge könnten Millionen Passagiere von der Schließung der Flughäfen betroffen sein, die auf die Airports an der Ostküste für Anschlussflüge angewiesen sind.

Mittlerweile ist auch der deutsche Flugverkehr betroffen: Zwölf Flüge vom Frankfurter Flughafen an die Ostküste sind am Sonntag gestrichen worden. Sechs aus den USA kommende Maschinen wurden ebenfalls annulliert, wie ein Flughafensprecher mitteilte. Die Städte New York, Boston und Philadelphia könnten wegen des schweren Unwetters nicht mehr angeflogen werden. Es werde davon ausgegangen, dass es ab Montag wieder Flüge an die US-Ostküste geben wird, jedoch sei noch mit Verspätungen zu rechnen. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) musste seine geplante Reise nach New York verschieben. Auch die Flughafen München und Berlin strichen am Wochenende Flüge.

Der Wirbelsturm wirkt sich auch auf Bus- und Zugverbindungen in den USA aus. So stellte das Busunternehmen Greyhound den Betrieb zwischen Richmond, Virginia und Boston ein. Die Eisenbahngesellschaft Amtrak kündigte an, seinen Fahrplan für den Nordosten des Landes am Samstag einzuschränken und für Sonntag alle Züge von Washington nach Boston zu streichen.

An der Wall Street hatten die Mitarbeiter der New York Stock Exchange an ein paar Stellen Sandsäcke gestapelt, um etwaige Wassermassen von den Eingängen fernzuhalten. Nach bisherigem Stand soll die Börse aber am Montag wieder normal öffnen. Die Arbeiter auf der Baustelle des World Trade Centers bereiteten sich ebenfalls auf Irene vor. Vor allem der sogenannte Freedom Tower, der einmal das höchste Gebäude der Millionenmetropole werden soll, bietet dem Wirbelsturm viel Angriffsfläche. Er steht an der Südspitze Manhattans unweit des Hudson River.

Auf dem Fluss fuhr am Samstagmorgen kaum ein Boot, auch der Schiffsverkehr zur Freiheitsstatue ruhte. Die Mülleimer an der Uferpromenade waren entfernt, Parkgaragen versuchten sich mit Sandsäcken zu schützen.

Meteorologen gaben eine Sturmwarnung für Teile Kanadas nahe der US-Grenze heraus. Sie gelte von der Grenze bis nach Fort Lawrence, teilte das nationale Hurrikan-Zentrum in Miami mit. Irene bewegte sich am Samstag über den US-Staat North Carolina Richtung Norfolk im US-Staat Virginia.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB