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Hurrikan:Ein Sturm zieht ab

Nach Hurrikan 'Irma'

"Die gute Nachricht zuerst", schrieb der Miami Herald: "Es war doch nicht so schlimm wie gedacht." Zerstörung wie hier in Florida gab es dennoch genug.

(Foto: Loren Elliott/dpa)

Durch "Irma" starben in der Karibik Dutzende Menschen, ganze Dörfer wurden ausgelöscht. In Florida sind 13 Millionen Menschen ohne Strom. Wie lange werden die Aufräumarbeiten dauern?

Von Sacha Batthyany

Washington Am vergangenen Freitag waren in Florida sämtliche Straßen Richtung Norden verstopft, die Bewohner flohen vor Irma, dem "Monster-Hurrikan", der die "gesamte Region verwüsten werde", wie Nachrichtensender prophezeiten. Am Montag zeigte sich dasselbe Bild, nur dieses Mal auf der Gegenfahrbahn: Irma hatte sich abgeschwächt, die größte Gefahr ist vorbei und alle wollen nun wieder zurück. Zurück in den Süden, zu ihren Häusern - oder was davon noch übrig ist.

"Die gute Nachricht zuerst", schrieb der Miami Herald in der Ausgabe vom Dienstag: "Es war doch nicht so schlimm wie gedacht". Die Ostküste des Staates sei relativ unversehrt geblieben, das Hochwasser nicht ganz schlimm wie befürchtet - und doch habe Irma Florida in ein Katastrophengebiet verwandelt: 13 Millionen Menschen ohne Strom, Straßen und Brücken beschädigt, die Aufräumarbeiten würden Monate dauern und 100 Milliarden Dollar kosten, viele Freizeitparks, für die der Sonnenstaat Florida so beliebt ist, stünden vor dem Aus. Wie viele Tote der Sturm gefordert hat, ist noch unklar. Allein auf Kuba sollen zehn Menschen gestorben sein. Florida und den Rest der Karibik mitgerechnet, ist von 42 Opfern die Rede. Viele Menschen gelten als vermisst.

Auf den Florida Keys hat es Schiffe auf Straßenkreuzungen geweht

Aus amerikanischer Sicht hat es die Florida Keys am schwersten erwischt. Auf Drohnenbildern sieht man Schiffe, die wie Strohballen herumgewirbelt wurden und ineinander verkeilt auf Straßenkreuzungen stehen. Dutzenden Häusern hat Hurrikan Irma die Dächer rasiert und gepflegte Hotelanlagen in wenigen Minuten in Schlachtfelder verwandelt.

Gouverneur Rick Scott flog am Montag über die Inselkette, um sich die Schäden aus der Luft anzusehen. Er zeigte sich schockiert. "Ich hoffe, dass alle überlebt haben." Von den 80 000 Menschen, die auf den Keys leben, blieben 10 000 in ihren Häusern. Nun hieß es, diese müssten vielleicht evakuiert werden, weil die Situation aufgrund der ins Wasser ragenden Stromkabel zu gefährlich sei. All jenen, die die Keys bereits vor Tagen verlassen hatten, wurde der Zugang zu ihren Häusern verwehrt. Die Brücke, die die Inseln mit dem Festland verbindet, blieb gesperrt. "Es wird Wochen dauern, bis die Menschen wieder Strom und fließendes Wasser haben - und ein geregeltes Leben einkehrt", sagte Scott.

Auf Barbuda gelten 90 Prozent der Häuser als zerstört

Noch verheerender sind die Verwüstungen, die der Hurrikan auf den Jungferninseln und in der Karibik hinterließ. König Willem-Alexander der Niederlande traf am Montag im niederländischen Teil von Saint-Martin ein, auch der britische Außenminister Boris Johnson wollte die betroffenen britischen Karibik-Gebiete besuchen. Die deutsche Bundeswehr startete eine Rettungsmission, das Schweizerische Rote Kreuz schickte ein Notfall-Team. Der Hurrikan habe in der Karibik Windgeschwindigkeiten von fast 300 Stundenkilometern erzeugt, einige Gegenden seien derart betroffen, dass sie als unbewohnbar gelten. Man geht von Dutzenden Verletzten und mehreren Toten aus. Auf Barbuda gelten 90 Prozent der Häuser als zerstört.

In den Sozialen Medien sieht man die Bilder beschädigter Villen bekannter Milliardäre, die sich in Steuerparadiesen wie den Virgin Islands niederließen. Menschen wie der Unternehmer Richard Branson werden die Folgen des Hurrikans verschmerzen können und sich neue Paläste bauen, während viele der Einheimischen vor dem Nichts stehen. "Wir kämpfen ums Überleben", wird ein Einwohner der Virgin Islands in der New York Times zitiert. Das US-Militär hat Wasser und Nahrungsrationen über der Insel abgeworfen, das Telefonnetz ist zusammengebrochen, Krankenhäuser mussten schließen. Es ist von Plünderungen die Rede.

Irma wurde mittlerweile zwar zu einem Tropensturm der Stufe 1 abgeschwächt, brachte aber auf dem Weg in den Norden starken Regen, heftigen Wind und Überschwemmungen. Die Pegelstände des Flusses St. John in Jacksonville (Florida) erreichten Rekordhöhen, Experten warnen vor Sturmfluten. "Noch ist das hier nicht vorbei", sagte der Bürgermeister von Jacksonville und mahnte die Bewohner, in den Häusern zu bleiben und sich im Notfall auf die Dächer zu begeben. Auch die historische Innenstadt von Charleston (South Carolina) wurde überflutet. Derweil waren im Süden von Georgia Zehntausende Haushalte ohne Strom. US-Präsident Donald Trump hat indes den Katastrophenfall für Florida ausgerufen und Notfallhilfen bewilligt. Er werde in die betroffenen Gebiete reisen, ließ er wissen. "Sehr bald."

© SZ vom 13.09.2017

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