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Hurrikan über den Bahamas:"Dorian" schwächt sich leicht ab - aber es gibt keine Entwarnung

  • Auf den Bahamas hat Hurrikan Dorian enorme Schäden angerichtet.
  • Mindestens fünf Menschen sind allein auf den Abaco-Inseln zu Tode gekommen, wo Dorian schon am Sonntag gewütet hat.
  • Der Wirbelsturm soll Prognosen zufolge während des Vormittags deutscher Zeit weiter westwärts ziehen.
  • In den US-Bundesstaaten Florida und South Carolina gilt bereits der Notstand.

Auf den Bahamas ist Dorian der schwerste Hurrikan seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Der Premierminister der karibischen Inselgruppe, Hubert Minnis, sprach von "beispielloser Verwüstung" und einer "historischen Tragödie". Das ganze Ausmaß der Zerstörung sei noch nicht einzuschätzen.

Weitläufige Überschwemmungen hätten die Trinkwasserquellen verunreinigt, hieß es vom Roten Kreuz. Die Wetterbedingungen machten Rettungseinsätze zunächst unmöglich. Premierminister Minnis zufolge hatten viele der mehr als 70 000 Bewohner der am stärksten betroffenen Gebiete die Aufforderung missachtet, sich in Sicherheit zu bringen.

Bilder von den Abaco-Inseln, die bereits am Sonntag von dem Hurrikan getroffen worden waren, zeigten umfangreiche Verwüstungen. Dort sind nach Angaben der Behörden mindestens fünf Menschen infolge des Hurrikans ums Leben gekommen. In sozialen Medien wurden zahlreiche Videos und Nachrichten von Menschen verbreitet, die in ihren Häusern feststeckten oder Angehörige vermissten.

In einer Facebook-Gruppe, in der sich Bewohner der Abaco-Inseln zusammengeschlossen haben, schreiben Angehörige bewegende Suchaufrufe. Eine Frau postet ein Foto ihrer Bekannten: ein glückliches Bild von zwei Eltern mit ihren sieben Kindern an einem sommerlichen Tag am Meer. "Wir beten für sie alle", schreiben andere Nutzer unter das Bild. Stunden später kommt die Entwarnung: "Safe!" - Alle sind offenbar in Sicherheit. Eine andere Frau teilt das Video ihres Hauses: Sie filmt im Obergeschoss, wo das Wasser einige Zentimeter hoch steht. Als die Kamera schwenkt, ist ein Treppenaufgang zu sehen. Offenbar ist das gesamte Erdgeschoss überflutet, das Wasser steht bis zu den obersten Stufen.

Ein Restaurantbesitzer sendet eine Videobotschaft aus der Hauptstadt Nassau, die Hoffnung machen soll: Im Laufe des Tages will er versuchen, mit Schiffen zu den Inseln zu gelangen, die besonders stark betroffen waren und Lebensmittel mitbringen. Im Video sieht man, wie sein Team Brote vorbereitet. Insgesamt 3000 Stück will er als Soforthilfe mitnehmen.

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Dorian hat sich zwar etwas abgeschwächt und ist derzeit nur noch ein Hurrikan der Kategorie drei, das heißt ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten zwischen 178 und 209 Kilometern in der Stunde. Doch die Lage auf den Bahamas ist dennoch weiter sehr gefährlich, weil das Auge des Sturms sich kaum fortbewegt, was bedeutet, dass von dem Hurrikan getroffene Gebiete für einen ungewöhnlich langen Zeitraum verheerenden Winden und Starkregenfällen ausgesetzt sind. Derzeit liegt das Zentrum des Sturms noch immer über der nördlichen Insel Grand Bahama.

Den Prognosen zufolge soll sich Dorian in der Nacht US-amerikanischer Zeit, also während des Vormittags deutscher Zeit, langsam westwärts bewegen. Meteorologen rechneten damit, dass der Hurrikan vor Erreichen der US-Küste nach Norden abdrehen und der Küste in Richtung der Bundesstaaten Georgia, South Carolina, North Carolina und schließlich Virginia folgen wird. Sollte der Sturm auch nur gering vom prognostizierten Pfad abweichen, könnte er in Florida auf Land treffen und dort für große Schäden sorgen.

Am Montagnachmittag wurden in Florida bereits Windböen von knapp 80 Kilometer pro Stunde gemessen. Dort und in Georgia und South Carolina galt bereits der Notstand. Evakuierungen der Küstenregionen mit Hunderttausenden Einwohnern waren am Montag angelaufen. Auch der nördlichere US-Bundesstaat Virginia, in dem die Auswirkungen von Dorian ab Donnerstag zu spüren sein sollen, verhängte am Montag wegen des Sturms vorsorglich den Notstand, um die behördlichen Vorbereitungen anzutreiben und einen Hilfseinsatz vorzubereiten.

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