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SZ-Serie "Ein Anruf bei...":"Die noblere Bezeichnung wäre Hundstrümmerl"

Das Problem innerstädtischer Häufchen sind weniger geschäftstüchtige Hunde als vielmehr nachlässige Besitzer.

(Foto: mauritius images/ThamKC/Alamy)

Im österreichischen Baden häuften sich Beschwerden über Hundekot. Wie die Stadt dem Ungemach mit DNA-Tests beikommen will.

Interview von Oliver Das Gupta

Baden bei Wien hat eine Initiative gestartet, um in ganz Österreich einem Problem beizukommen: Hunde-DNA soll in einer Datenbank erfasst werden, um Frauchen und Herrchen aufzuspüren, die Häufchen nicht beseitigen. Bürgermeister Stefan Szirucsek (ÖVP) erklärt, warum das nötig ist.

SZ: Herr Szirucsek, lassen Sie uns das Wichtige gleich am Anfang klären: Wie sagt man in Baden zu Hundekot?

Stefan Szirucsek: Die noblere Bezeichnung wäre "Hundstrümmerl".

In österreichischen Medien ist von "Gacki-Sündern" die Rede.

Auch das. Es gab vor einiger Zeit in Wien mal eine entsprechende Kampagne mit dem Slogan: "Nimm ein Sackerl für mein Gackerl". Viele Leute sagen aber auch einfach "Hundescheiße".

Haben Sie in Ihrer mondänen Stadt am Rande des Wienerwaldes ein besonderes Problem mit der Materie?

Zumindest häuften sich seit März die Beschwerden in einer überraschenden Intensität. Es gab keinen Hotspot, sondern Meldungen aus allen Ortsteilen. Der Ärger war verständlicherweise groß.

Können Sie diese Häufung erklären?

Es gibt Hypothesen, die mit den Lockdowns zu tun haben.

Inwiefern?

Die Menschen konnten nicht wegfahren, dafür sind sie verstärkt in der Umgebung ihres Wohnsitzes spazieren gegangen. Vielleicht wurde deshalb ein Problem vermehrt wahrgenommen, das es vorher schon gegeben hat.

Also eher doch nicht mehr "Gacki-Sünder" in der Stadt?

Doch, das kann schon auch sein. Es gibt nämlich die Vermutung, dass sich viele Menschen nach Ausbruch der Pandemie einen Hund zugelegt haben.

Bürgermeister Stefan Szirucsek

Stefan Szirucsek, Jahrgang 1969, Bürgermeister (ÖVP) von Baden in Österreich, hat selbst keinen Hund. Man darf ihn aber trotzdem als Hundefreund bezeichnen.

(Foto: Christian Dusek)

Auf jeden Fall erwarten Ihre Bürgerinnen und Bürger, dass die Stadtregierung etwas unternimmt.

Mit Bewusstseinskampagnen erreicht man eher wenig. Die Mehrheit der Hundebesitzer ist ja eh umsichtig und hält sich an die Regeln und die Ignoranten erreicht man auf diese Weise nicht. Wir können auch nicht an jeder Ecke jemanden hinstellen, der kontrolliert, ob die Hinterlassenschaften eingesammelt und entsorgt werden.

Wie kamen Sie auf die Idee mit der Gendatenbank?

Das hat auch mit Corona zu tun.

Wie das?

Wegen der Pandemie gibt es ja inzwischen Möglichkeiten, relativ kostengünstig DNA-Proben analysieren zu lassen. Pro Probe würden zwischen etwa 40 und 80 Euro anfallen. Strafen müssten natürlich etwas höher sein, aber noch verhältnismäßig bleiben. Es wäre also ein hervorragendes Instrument, um die Kosten zu decken und gleichzeitig bei den Hartnäckigen Erziehungsarbeit zu leisten.

Sie haben in der Stadt ein lokales Problem. Warum soll dann in ganz Österreich Ihr Modell die Regel werden?

Schauen Sie, Sinn macht das Ganze doch nur, wenn es ein zentrales Register gibt, in dem alle angemeldeten Hunde erfasst sind. Zu uns nach Baden kommen ja auch viele auswärtige Hunde.

Okay, das ist ein Argument.

Und außerdem gibt es dieses Problem ja überall, je urbaner, desto augenscheinlicher ist es. In Österreich werden alle Hunde gechipt, man könnte gleichzeitig einen Maulabstrich nehmen. Und deshalb wollen wir als Stadt Baden das Land Niederösterreich und den Bund anregen, entsprechend tätig zu werden.

Nun ist Ihr Plan publik geworden. Gab es schon Ärger?

Am Wochenende habe ich von Bürgerseite positive und verwunderte Reaktionen erhalten. Aber eine bessere Lösung weiß niemand. Man darf nie vergessen: Das Problem ist ja nicht der Hund, das Problem ist am anderen Ende der Leine.

Bald wird über die Resolution ihrer Stadtregierung aus ÖVP und Grünen im Gemeinderat abgestimmt. Ist die Mehrheit gesichert?

Es dürfte eine emotionale Debatte geben, die Bruchlinien gehen sicherlich quer durch die Fraktionen. Aber die Badener Regierungsparteien werden dem Antrag zustimmen und ich hoffe, dass auch von der Opposition Unterstützung kommt für ein Problem, das zum Himmel stinkt. Es gibt wenig Unangenehmeres, als in so einen Haufen reinzusteigen und den dann am Schuh kleben zu haben.

Haben Sie eigentlich einen Hund, Herr Bürgermeister?

Nein, aber meine Mutter besaß zwei Exemplare, die ich recht gerne hatte. Sie können mich als Hundefreund bezeichnen.

Und wie halten Sie es mit Katzen?

Gar nicht, denn ich habe eine Allergie. Allerdings bin ich familiär in der Minderheit: Meine Frau und meine drei Kinder haben eine klare Präferenz für Katzen.

© SZ/vwu
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