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Hundeattacke in Niedersachsen:Ein gesundheitliches Problem als Ursache für Aggression

Dass Menschen den Psychologen kontaktieren, weil ihre Hunde plötzlich beißen, ist sein Berufsalltag. Zu etwa 80 Prozent sei die Ursache ein gesundheitliches Problem, das der Mensch nicht wahrnimmt - und seinem Haustier zu nahe kommt. Bei den restlichen Fällen handele es sich um Hunde, die mit Gewalt und Bestrafung ausgebildet und behandelt wurden und irgendwann ausrasten. "Das ist aber kein grundsätzliches Problem von Listenhunden", sagt Riepe. Gerade die würden menschenfreundlich gezüchtet.

Früher, als heutige Listenhunde für Hundekämpfe gezüchtet worden waren, trainierte man ihnen Aggression gegen Artgenossen an - und eine enorme Hemmschwelle gegenüber Menschen. So ein Hundekampf musste schließlich beendet werden, und zwar von einem Menschen.

Zum tragischen Fall in Groß-Buchholz will Riepe nichts sagen, ohne weitere Hintergrundinformationen lasse sich über die Gründe nur spekulieren. Wie wurde der Hund gehalten? Wurde er misshandelt? War er krank? Litt er Hunger? All diese Fragen sind derzeit noch offen.

Die Schaumburger Nachrichten berichten, der Sohn habe einen Stahlzwinger für den Hund in seinem Zimmer gehabt. Kam Besuch oder die Pflegerin der gehbehinderten Mutter, sei das Tier weggesperrt worden. Nachbarn sagten der Zeitung, der Terrier solle so gut wie jeden Passanten angefletscht haben. "Der Besitzer hatte den Hund immer eng an der Leine und trotzdem seine Mühe, ihn unter Kontrolle zu halten", wird ein Anwohner zitiert. Ob das Tier aktenkundig war, wollte die Polizei am Mittwoch nicht kommentieren.

Der Staffordshire Terrier ist in Großbritannien als "Nanny Dog" bekannt

Hunde tragen Auseinandersetzungen mit ihren Zähnen aus. "Sie haben ja kein anderes Mittel", sagt Udo Kopernik vom Deutschen Hundewesen. Wenn ein Staffordshire Terrier zubeißt, dann beiße er sich fest, nicht wie ein Schäferhund, der eher zuschnappt. Vielleicht hat diese Rasseneigenschaft Mutter und Sohn das Leben gekostet, vielleicht hat der Hund erst einen Menschen angefallen, sich dann im zweiten verbissen, als dieser helfen wollte. "Aber auch das passt eigentlich nicht", sagt Kopernik.

Der Staffordshire Terrier gehört, auch wegen der Restriktionen einiger Bundesländer, zu den eher seltenen Hunderassen. 2016 gab es 324 Welpen in Deutschland. Damit rangiert der Staffordshire Terrier knapp hinter dem Husky oder dem Bernhardiner. Er darf nicht nach Deutschland importiert werden, obwohl er in Großbritannien als "Nanny Dog" bekannt ist.

Immer wieder gab es in den vergangenen Jahren Meldungen über Hundeattacken gegen Menschen. 2010 wurde eine Dreijährige in Thüringen von vier Staffordshire Terriern totgebissen. Die Verantwortung dafür liegt aber - und das vergessen viele oftmals in der Debatte - beim Halter. "Wie sich ein Hund verhält, bestimmt neben seiner Gesundheit, die Art, wie er gehalten und behandelt wird", sagt Hundepsychologe Riepe. Er warnt davor, die als Listenhunde eingestuften Rassen zu stigmatisieren. "Sie sind zum Sündenbock geworden." Dabei mache einzig und allein der Mensch sie aggressiv.

Der Hund aus Groß-Buchholz wurde ins Tierheim Langenhagen gebracht. Die Schaumburger Nachrichten zitieren dessen stellvertretende Leiterin: "Als er zu uns kam, hat er sich unauffällig verhalten." Vielleicht ist diese Ruhe eine Reaktion auf den Stress. Das Veterinäramt will in den kommenden Tagen seine Gefährlichkeit feststellen. Stellt die Rechtsmedizin seine eindeutige Schuld am Tod zweier Menschen fest, wird er wohl eingeschläfert.

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