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Hunde-Partys in USA:Happy Chappi

Ein Napf voller Bio-Leckereien für wenig Geld: In den USA sind "Happy Hours" für Hunde ein Riesenerfolg.

Ein Bier in der einen Hand, in der anderen die Leine seiner zwei stumpfnasigen Möpse - Rick Schapira ist Stammgast bei den "Happy Hours" für Hunde im Hotel Monaco bei Washington. Jede Woche versammeln sich dort im Innenhof dutzende Vierbeiner samt Herrchen und Frauchen. "Für sie ist die Happy Hour der Höhepunkt der Woche", sagt Schapira und zeigt auf seine Mini-Hofhunde. "Wenn ich sage: Auf gehts zur Doggy-Happy-Hour, dann rennen sie zur Tür und sind total aufgeregt.

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Die etwas andere Kontaktbörse: Während es sich der Hund schmecken lässt, können Herrchen und Frauchen Kontakte knüpfen.

(Foto: Foto: iStockphotos)

" In den USA, wo Tiere in Restaurants sonst fast nie Zutritt haben, sind die Hunde-Partys ein Riesenerfolg. Fast 80 Menschen und mehrere dutzend Hunde sitzen und stehen in dem Hotel im schicken Washingtoner Vorort Alexandria um eine Bar und große Tische. Pudel, Chow-Chows, Bernhardiner und Mischlinge beschnüffeln sich, teilen sich einen Wassernapf oder verlangen "Leckereien für Hunde - 100 Prozent Bio", die auf der Karte zu zwei Dollar (1,35 Euro) das Stück angeboten werden. Ihre Herrchen und Frauchen nippen solange an einem Drink und tauschen Komplimente über ihre Tiere aus.

Manche kommen sogar ohne vierbeinige Begleiter: "Wir haben nicht mal einen Hund", sagt Juli Curtis, die ihre 13-jährige Tochter auf die "Doggy Partys" mitbringt, seit diese zehn ist. "Aber meine Tochter mag Hunde furchtbar gern, und hier kann sie alle Rassen sehen, kleine, große, Mischlinge." "Die Leute lieben das hier", bestätigt Robert Hannigan vom Hotel Monaco, das die Glücksstunden für Hunde schon seit Jahren veranstaltet. Im Oktober ist sogar ein Kostümball geplant, mit einem Preis für die beste Verkleidung von Halter und Hund.

"Mein Hundetrainer hat mir geraten, mit meinem Hund hierher zu kommen", sagt Judy Bennett, während sie sich zu ihrem gefleckten Boxer Salvador dreht. "Weil es gut für ihn ist, andere Hunde zu treffen." Diese Treffen "tragen dazu bei, dass die Hunde nicht aggressiv miteinander umgehen", erklärt Hundetrainer John Landry.

"Und die Herrchen und Frauchen erkennen, dass sie nicht die einzigen Verrückten sind, die Hunde lieben." Rund 45 Millionen US-Haushalte besitzen nach Angaben der Vereinigung der US-Hersteller für Tierprodukte (APPMA) insgesamt 75 Millionen Hunde. Der Markt für Haustiere gewinnt stetig an Bedeutung; für das Jahr 2008 werden Umsätze von 43,4 Millionen Dollar erwartet. Das ist fast so viel wie die US-Bürger für Kinderspielzeug ausgeben und zwei Mal mehr als für Kosmetik angelegt wird.

Wenn sich die Hunde anfreunden, dann finden auch die Menschen Kontakt. Mit Hunden "ist es einfacher, Leute kennenzulernen", findet John Carpenter, ein Stammgast auf allen "Doggy Happy Hours" der Stadt, wie zum Beispiel im Hotel Helix im Zentrum Washingtons. "Und vielleicht findet man ja auch seinen Zukünftigen", lacht Kara Mac Williams, flankiert von ihren beiden Berner Sennerhunden. "Das hoffen wir!" "Für manche ist das sicher eine Gelegenheit, Leute zu treffen", bestätigt Annie Gillette, die PR-Referentin des Hotels Monaco.

"Neulich kamen vier junge Männer - mit einem einzigen Hund. Sie können davon ausgehen, dass sich dies zu einer Art Kennenlern-Party entwickelt." "Für die Leute ist es eine Gelegenheit, miteinander in entspannter Atmosphäre zusammenzusitzen, und die Hunde lernen sich gegenseitig kennen", sagt Sarah Crocker vom Hotel Helix. Von jeder Bestellung, die während der "Frisky Business Happy Hours" mittwochs im Helix über den Tresen geht, spendet Crocker einen Dollar an ein Hundeheim.

Wenn im Hotel Monaco das letzte Glas getrunken und der letzte Knochen abgeknabbert ist, ist der Abend noch lange nicht zu Ende. "Wir gehen jetzt in das Restaurant gegenüber", sagt Schapira. "Das ist super, sie haben ein Hundemenü!" Für gewöhnlich ordert er seinen Pudeln das Lammragout für 3,95 Dollar und ein Guinness: "Sie lieben den Schaum."

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