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SZ-Kolumne "Bester Dinge":Dogge mit Doktrin

Wilbur

Gestatten, Wilbur, gewählter Bürgermeister von Rabbit Hash, Kentucky.

(Foto: Rob Stone/OH)

Wie in einem Dorf im US-Bundesstaat Kentucky ein Wahlergebnis zustande kam, das niemand anzweifelt.

Von Veronika Wulf

Für gewöhnlich würde man eine Bulldogge auf der Charisma-Skala eher beim Kaktus als beim Katzenbaby einordnen. Doch das sahen die Einwohner von Rabbit Hash im US-Bundesstaat Kentucky offenbar anders. Sie haben Wilbur Beast zum neuen Bürgermeister gewählt, und Wilbur ist nun mal eine sechs Monate alte Französische Bulldogge.

Dazu muss man wissen, dass dem Dorf Rabbit Hash seit 1998 ausschließlich Hunde vorstanden. Auch andere Städte wählten bereits Kandidaten mit mehr als zwei Beinen in halboffizielle Ämter, das brasilianische Fortaleza 1922 etwa eine Ziege, Milton in Washington 1938 ein Faultier und Talkeetna in Alaska 1997 eine Katze.

Dass Wilbur 13143 Stimmen erhielt, obwohl Rabbit Hash nur rund 400 Einwohner hat, liegt daran, dass jeder wählen durfte, der einen Dollar an den örtlichen historischen Verein spendete. Der hatte zur Wahl aufgerufen, Mehrfachwahl erwünscht. "Politische Korruption hat noch nie so viel Spaß gemacht", heißt es auf der Spendenseite.

Abgesehen davon ist Rabbit Hash aber recht fortschrittlich, bereits 2008 gab es - anders als im Weißen Haus - eine weibliche Regierende, die Border-Collie-Hündin Lucy Lou, auf die die Pitbull-Dame Brynneth Pawltro folgte. Auf Wilburs politischer Agenda steht laut seiner Facebook-Seite: weiblich geführte (Hundesnacks-)Unternehmen unterstützen, auf Brustkrebs aufmerksam machen, Mahatma Gandhi zitieren. In den sozialen Netzwerken zeigte er sich gegenüber seinem Volk sogar "humbled" - demütig. Davon könnte sich so mancher Präsident noch etwas abschauen.

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