Baden-Württemberg Fußballer retten Mann aus brennender Obdachlosenunterkunft

Nach dem Feuerwehreinsatz: Brandspuren an der städtischen Unterkunft.

(Foto: dpa)
  • Als sie das Feuer in einer Obdachlosenunterkunft sehen, kommen vier junge Fußballer zur Hilfe.
  • Gemeinsam machen sie die Bewohner auf den Brand aufmerksam und retten Personen aus dem brennenden Gebäude.
  • Ein 19-Jähriger erleidet dabei selbst eine leichte Rauchgasvergiftung.

Der Einsatzwille der Fußballer der Spielgemeinschaft Rexingen/Dettingen war bislang eher ein Thema für intime Kenner der baden-württembergischen Kreisligen. Bei ihrem Training am Montagabend machten die Fußballer aus Horb am Neckar am Montagabend abseits des Platzes mit einem couragierten Einsatz auf sich aufmerksam.

Der Fußballplatz im 1500-Einwohner-Ortsteil Dettingen liegt direkt neben einer städtischen Unterkunft für Obdachlose und Asylbewerber. Das Team - die meisten der Spieler sind um die 20 Jahre alt - sei mitten im Training gewesen, als die Spieler Flammen in einer Wohnung im ersten Stock entdeckten, berichtet ein Sprecher der Polizei. Während einige Spieler ins Sportheim liefen, um von dort die Feuerwehr zu alarmieren, seien andere zum brennenden Haus gerannt, um zu helfen.

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"Wir haben erstmal an der Haustür geklingelt, damit alle rauskommen", erzählte Stürmer Marius Tittjung später dem SWR. Doch nur aus einer Hälfte des Gebäudes seien Bewohner gekommen. Ausgerechnet in dem vom Brand betroffenen Gebäudeteil habe sich nichts geregt. "Daraufhin sind zwei aus meiner Mannschaft in das Haus gegangen", so Tittjung. Im Treppenhaus hätten sie zwei Bewohner getroffen und mit nach draußen nehmen wollen. Doch der Mann, in dessen Wohnung es brannte, soll wieder umgekehrt sein. Er habe das Feuer löschen wollen. Die Polizei wird den 54-Jährigen später als "alkoholisiert" beschreiben.

Ein 19-jähriger Fußballer erkennt zu diesem Zeitpunkt das Risiko der sich immer weiter ausbreitenden Flammen. Er hindert den Mann an der Rückkehr in die brennenden Räume und bringt ihn ins Freie. Beide erleiden eine Rauchgasvergiftung. "Zwei Minuten nachdem er draußen war, hat es einen Schlag gegeben - und dann ging es richtig los", erinnert sich Team-Kollege Tittjung. Ein Rettungswagen bringt den Ersthelfer und den Bewohner später ins Krankenhaus. Mittlerweile gehe es dem 19-Jährigen auch wieder besser, sagt ein Sprecher der Polizei der SZ.

Die Stadt Horb am Neckar lobt den Mut des jungen Mannes. Stadtsprecher Christian Volk, der selbst als Mitglied der Feuerwehr vor Ort war, sagt: "Wenn die Mitglieder des Vereins nicht so schnell und beherzt eingegriffen hätten - wer weiß, was dann mit den Menschen in dem Haus geschehen wäre. Wäre der Notruf nur wenige Minuten später gekommen, hätte der Brand leicht auf einen weiteren Gebäudeteil überspringen können."

Insgesamt sei bei dem Brand ein Schaden in Höhe von etwa 50 000 Euro entstanden. Die Menschen, die in den städtischen Wohnungen untergebracht waren - darunter ehemalige Obdachlose und einige Asylbewerber -, seien noch in der Nacht vorübergehend in ein Hotel oder zu Verwandten gebracht worden. Die genaue Brandursache ist derzeit noch unklar, teilt die Polizei mit. Nach ersten Ermittlungen vermuteten die Polizisten "ein möglicherweise fahrlässiges Handeln des Wohnungsinhabers".