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Homosexualität in Iran:Operation oder Exekution

Iran's women's soccer team lines up during the opening ceremony of the 5th Amman International Women Soccer Championship in Amman

Bevor sie einen Vertrag unterschreiben, müssen sich inzwischen alle Fußballerinnen (Archivbild) einem Geschlechtstest unterziehen.

(Foto: REUTERS)

Auf den ersten Blick scheint es eine kuriose Meldung zu sein: In Iran sind vier Frauen der Fußball-Nationalmannschaft suspendiert worden, weil sie in Wahrheit Männer sind. Nach einer Geschlechtsumwandlung könnten sie aber zurückkehren. Der Fall zeigt exemplarisch, wie weit iranische Homosexuelle gehen, um dem Tod zu entkommen.

Vier Mitglieder der iranischen Frauenfußball-Nationalmannschaft sind vom heimischen Verband suspendiert worden. Der Grund: Bei den Aktiven handelt es sich um Männer, die auf eine Geschlechtsumwandlung warten. Doch trotz des strengen Sittenkodex haben die Spieler keine drakonischen Strafen zu erwarten. Ahmad Haschemian, Vorsitzender des medizinischen Komitees des iranischen Fußball-Verbandes, stellte den Verbannten in einem Interview mit dem englischen Boulevardblatt The Sun bereits großzügig eine Rückkehr in die Frauen-Auswahl in Aussicht:

"Wenn diese Leute ihre Probleme durch eine Operation gelöst haben und die medizinischen Tests bestehen, werden sie die Möglichkeit haben, in den Frauen-Fußball zurückzukehren."

Iran ist ein Land, das das Recht auf freie Meinungsäußerung genauso wie auf Versammlungsfreiheit einschränkt, das Personen, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzen, willkürlich festnimmt und den Kontakt zur Außenwelt verwehrt, das Frauen im Alltag diskrimiert, Prügel- und Amputationsstrafen verhängt und Homosexualität in manchen Fällen mit dem Tod bestraft - dieses Land ist ausgerechnet bei der Frage der Geschlechtsumwandlung eines der liberalsten der Welt.

Transsexuelle sind nur krank, Homosexuelle sind kriminell

Dem Guardian zufolge leben in Iran zwischen 15 000 und 20 000 Transsexuelle. Das sind allerdings Zahlen offizieller Statistiken. Inoffizielle Schätzungen gehen von bis zu 150 000 aus. Das Land hat nach Thailand die höchste Zahl an jährlichen Geschlechtsumwandlungen, hier lassen sich Menschen aus dem ganzen Nahen Osten operieren. Völlig legal und sogar vom Staat gefördert, mitten in der restriktiven und streng überwachten Sexualmoral der islamischen Republik.

Schon Mitte der Achtziger hatte der damalige Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini dies in einer Fatwa so bestimmt. Chomeini hielt Transsexualität für eine Krankheit, ebenso wie Homosexualität, auf die nach wie vor die Todesstrafe steht. Dass das eine verboten wurde, das andere aber nicht, hat einen einfachen Grund, schreibt Die Welt: "Im Koran wird die sexuelle Transformation nicht erwähnt, somit kann sie auch nicht als Sünde gelten. Homosexualität gilt der heiligen Schrift hingegen als Teufelswerk."

In einem Blog-Eintrag geht der Zeit-Journalist Jörg Lau genauer auf den Unterschied ein:

"Transsexualität gilt als Krankheit, die durch eine vereindeutigende Operation geheilt werden kann, während Homosexualität als eine Form von dekadenter Kriminalität betrachtet wird. Viele Schwule werden dadurch zu Geschlechtsumwandlungen getrieben, weil das Leben als Transsexueller akzeptiert ist - anders als die lebensgefährliche Homosexualität."