Nordrhein-Westfalen SEK-Einsatz nach "Hochzeits-Blockade" auf Autobahn

Polizeifoto des Hochzeitskorsos auf der A3 bei Ratingen

(Foto: dpa)
  • Ende März hat eine Hochzeitsgesellschaft auf der A3 bei Ratingen die Fahrbahn blockiert, die Fahrer führten einen Stunt vor und machten Fotos.
  • Die Polizei ermittelte daraufhin wegen gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und Nötigung.
  • Nun sind sieben Wohnobjekte im Raum Wesel durchsucht worden, die Beamten stellten zahlreiche Beweismittel sicher.

Nach der Autoblockade der A3 bei Ratingen durch eine Hochzeitsgesellschaft sind am Freitagmorgen mehrere Objekte im Raum Wesel bei Düsseldorf durchsucht worden. Nach Angaben der Ermittler wurden sieben Wohnobjekte in Kamp-Lintfort, Moers, Neukirchen-Vluyn und Rheinberg durchsucht und dabei Speichermedien, Handys und Computer sichergestellt. "Zudem stießen die Ermittler auf Betäubungsmittel und mutmaßlich illegale Medikamente", sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Polizei. Die Beamten hatte offenbar Hinweise, wonach einer der Bewohner eine Waffe besitzen könnte, daher rückte das Spezialeinsatzkommando (SEK) an.

Der Polizei zufolge sollen die meisten der Verdächtigen polizeibekannt sein, unter anderem wegen Verstößen gegen das Waffengesetz, Widerstands gegen die Staatsgewalt sowie wegen Gewaltdelikten.

Die Ermittlungen beziehen sich auf einen Vorfall am Abend des 22. März. Damals bemerkte eine Zivilstreife drei teure, mit Blumen geschmückte Sportwagen, die mit Warnblinker auf allen Fahrstreifen hin- und herwechselten und die nachfolgenden Fahrzeuge ausbremsten. Als die drei Sportwagen mitten auf der Autobahn plötzlich stehen blieben, zog ein Cabrio vorbei und setzte zum "Donuts driften" an, wie die Polizisten später notierten. Bei diesem Manöver schleudert das Auto mit dem Hinterreifen einen Kreisel, der Gummiabrieb der Reifen hinterlässt schwarze Spuren auf dem Asphalt, deren Form an einen Donut erinnert.

Mitfahrer der anderen Fahrzeuge stiegen aus ihren Autos und griffen zum Smartphone. Erst als die Männer die Polizei bemerkten, beendeten sie das Fotoshooting. Die Polizei ermittelte daraufhin wegen gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und Nötigung und gründete die Ermittlungskommission "Donut".

Hochzeitskorsos, die Straßen blockieren sind in Deutschland kein neues Phänomen, in den vergangenen Wochen machten sie jedoch vermehrt Schlagzeilen. Auch der Landtag in Düsseldorf hat sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt. Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte nach den ersten Vorkommnissen: "Autobahnen und Innenstädte sind keine privaten Festsäle."

Mit Tradition lassen sich die Korsos übrigens nicht erklären. In der Türkei gibt es zwar die "Hochzeitsblockade", doch dabei werden nur Autos der Hochzeitsgesellschaft angehalten und müssen einen symbolischen Wegzoll bezahlen.

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Sie bremsen mitten auf der Autobahn, formen mit dem Reifenabrieb "Donuts" auf die Fahrbahn. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat immer häufiger mit Hochzeits-Autokorsos zu tun, die außer Kontrolle geraten.   Von Jana Stegemann