Hochzeit als Hindernislauf:Das lange Warten auf ein Ja

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Schließlich stellt dort seit dem Sturz Saddam Husseins keine Behörde mehr Ausweise aus, die in Deutschland anerkannt werden. Dennoch gab sich das Gericht erst dann zufrieden, als die Iraker bewiesen, dass sie sich vergeblich um das Papier bemüht hatten.

Für Paare wie Leonie von Watzdorf und Marcelo Lagos sind solche Forderungen Schikane. "Für die ist man der Verdächtige", sagt der Chilene und guckt von der Fähre aufs Meer.

Langsam verschwindet die deutsche Küste am Horizont. Die Ämter hätten bei jedem Besuch neue Bedingungen gestellt, sagt er. "Die wollen sehen, wie lange du durchhältst."

Denen sei es egal gewesen, dass seine Lebenspartnerin ein Kind von ihm erwartet, dass sie unbedingt vor der Geburt heiraten wollten, damit Lagos ohne Probleme als Vater in die Geburtsurkunde eingetragen wird.

Relativ zügig prüfen die Standesämter, ob der Ausländer nur heiratet, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen - und befragen die Paare dabei oft bis ins private Detail.

Langwieriger als die Scheinehen-Kontrolle sind die Formalitäten. Bei Sudanesen beispielsweise zweifeln die deutschen Behörden grundsätzlich an, dass die vorgelegten Dokumente auch echt sind. Deshalb beauftragen sie einen Anwalt in der sudanesischen Hauptstadt Khartum, der sich auch in die entlegensten Dörfer durchschlägt und die Nachbarn, den Bürgermeister oder den Pfarrer befragt.

So soll er herausfinden, ob die Angaben in den Papieren wirklich stimmen. Das kann dauern. Und teuer ist es auch: 200, 300 Euro oder mehr - zu zahlen von den Antragstellern.

Die Mehrheit muss leiden

So wollen die Behörden Missbrauch verhindern. Der Aufwand ist gewaltig, aber die Trefferquote der Sachbearbeiter niedrig. Von den fast 2000 Anträgen beim Berliner Kammergericht im vergangenen Jahr fielen nur sieben durch.

Offenbar hat nur eine winzige Minderheit wirklich gefälschte Dokumente oder heiratet nur wegen des Visums - doch die Mehrheit muss unter den peniblen Kontrollverfahren leiden.

Leonie von Watzdorf und Marcelo Lagos sehen sich deshalb als Opfer der Bürokratie. Ihr Ärger legt sich erst, als das dänische Ufer näher rückt und die Fähre anlegt.

Abends kommt das Paar mit dem Auto in Stege auf Møn an, einem kleinen windumtosten Städtchen mit niedrigen Backsteinhäuschen, roten Briefkästen und einem Netto-Supermarkt. Am Marktplatz liegt das Rathaus, in dem am nächsten Tag Bürgermeister Knud Larsen das Paar begrüßt.

Larsen, ein humorvoller, rotblonder Hüne, ist eigentlich von Beruf Bauer und Hochschullehrer. Er setzt sich an einen braunen Tisch, von dem aus er sonst die Ratssitzungen leitet; neben ihm warten zwei Beamtinnen, die als Trauzeugen fungieren.

"Sollen wir arbeiten?", fragt er sie und wendet sich in seinem flüssigen, aber eigenwilligen Deutsch an die Verlobten: "Seid Ihr Euch klar?" Ja, antwortet die Braut, seit fünf Jahren seien sie schon zusammen. "Dann frage ich, ob Sie, Marcelo Lagos, Leonie von Watzdorf als Gattin wünschen?"

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