Hochwasser und die Folgen:Was bei einem Wasserschaden im Keller zu tun ist

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Hochwasser in Bayern - Rosenheim

Das Abpumpen ist nur der erste Schritt. Trocknungsgeräte aufzustellen und Farbe drüberstreichen, reicht da nicht aus.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Wasser in Hohlräumen, bröckelnder Putz, verrostete Leitungen, Schimmelpilze: Einen Wasserschaden im Keller nachhaltig zu beseitigen, geht weder schnell, noch ist es billig. Wie aufwendig es ist, ein Haus nach der Flut wieder trocken zu kriegen.

Von Helmut Martin-Jung

"Das Problem", sagt Bernhard Riedl, "sind die Dinge, die man nicht gleich sieht." Die man aber bald zu spüren bekommt: Kopfschmerzen und Asthmaanfälle können die Folge sein, wenn ein Haus nach einer Überschwemmung nicht fachgerecht getrocknet werde, sagt der Münchner Architekt, der als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schäden an Gebäuden arbeitet.

Aber was ist fachgerecht? Für zwei, drei Wochen Trocknungsgeräte aufzustellen und ein bisschen Farbe über die betroffenen Stellen zu streichen, reiche keineswegs, sagt der Gutachter. Das sei zwar billig und man habe das gute Gefühl, etwas getan zu haben. Für die heutige Bauweise, bei der zum Beispiel im wärmegedämmten Keller oft wichtige Einrichtungen wie Heizungen untergebracht sind, sei das aber ungenügend, sagt Riedl: "Bevor die Bautrocknung überhaupt greift, ist unten drin schon alles verschimmelt." Immer wieder macht Riedl diese Erfahrung, und dabei ist egal, ob schlammiges Flusswasser oder sauberes Leitungswasser eingedrungen ist.

Das Problem sind die Hohlräume, in die das Wasser einsickert. Man sieht sie nicht sofort und man kommt auch nicht ohne weiteres an sie heran. Haben sich aber die Mikroorganismen dort einmal vermehrt, sind sie nach der Erfahrung des Sachverständigen kaum mehr zu bekämpfen, "da hilft auch keine Desinfektion". Besonders schlimm ist der Schaden, wenn auch noch Öl aus dem Tank für die Heizung ausgelaufen ist.

Wer nachhaltig sanieren will, muss Riedls Erfahrung nach den teuren und langwierigen Weg gehen: Hohlräume, etwa bei Installationsleitungen oder zwischen Bodenbelag und Estrich, müssen geöffnet und getrocknet werden. Bis die Feuchtigkeit tatsächlich beseitigt ist, kann es dann Monate dauern. Danach muss begutachtet werden, welche Schäden es sonst noch gibt, bröckelnder Putz etwa, oder verrostete Leitungen.

Riedl rät außerdem dazu, nach der Trocknung noch einmal genauestens zu kontrollieren, ob es keine mikrobielle Belastung gibt, "das kann man mit Raumluftmessungen machen oder mit einem Schimmelspürhund".

Einen Wasserschaden im Keller nachhaltig zu beseitigen, geht also weder schnell, noch ist es billig. "Wenn Sie schnell sind, dann brauchen Sie sechs bis sieben Monate", weiß der Architekt aus Erfahrung, "an Kosten müssen Sie mit etwa 60.000 bis 70.000 Euro für ein durchschnittliches Einfamilienhaus rechnen, je nach Ausbau."

Einen solchen Aufwand betreiben aber nur wenige, wie Riedl sagt. Für die 1,2 Millionen Wasserschäden, die den Versicherungen jährlich gemeldet würden, schütteten die Versicherungen 1,8 Milliarden Euro an Kostenerstattungen aus - das sind im Schnitt gerade einmal 1500 Euro pro Schadensfall. Bei vielen Betroffenen treten jedoch langfristig Schäden auf, etwa durch Schimmelpilze.

An vielen Häusern und Wohnungen in den Überschwemmungsgebieten ist aber nicht bloß der Keller vollgelaufen, das Wasser drang auch in die Wohnräume ein. Hier müssen Untersuchungen klären, inwieweit Schäden an der Bausubstanz aufgetreten sind - was in den gefluteten Räumen war, ist in aller Regel nicht mehr zu gebrauchen.

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