Hochwasser und Spenden:Lieber Geld überweisen als Kleider spenden

Nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz

Sachspenden-Sammelstelle am Nürburgring: Die Helfer bitten, keine Kleider und Kinderspielsachen mehr zu bringen. Benötigt würden lediglich Lebensmittel und Gerätschaften zum Aufräumen von Schutt und Schlamm.

(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Hilfsorganisationen sind überwältigt von der Menge an Sachspenden. Sie bitten darum, vorher nachzufragen, was noch benötigt wird, oder lieber Geld zu senden. Eine Auswahl an Spendenkonten.

Spenden sind immer gut gemeint, kommen aber manchmal nicht gut an. Dann zum Beispiel, wenn sie den Helferinnen und Helfern im Katastrophengebiet unnötig Arbeit machen. So weisen freiwillige Helfer und Organisationen in den überschwemmten Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz darauf hin, dass sie nur noch vereinzelt Sachspenden brauchen, wenn überhaupt.

Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes im Katastrophenschutzzentrum in Leverkusen teilte zum Beispiel mit, dass dort wegen allzu großer Mengen keine Kleiderspenden mehr angenommen werden könnten. Auch am Nürburgring im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler hieß es aus der dortigen Sammelstelle für Hilfsgüter, es sei eine überwältigende Menge an Kleidern, Kinderspielsachen, alten Handys und Hygieneartikeln abgegeben worden. Auf Twitter wurde darum gebeten, keine Sachspenden mehr vorbeizubringen. Gebraucht würden lediglich noch haltbare Lebensmittel, Schaufeln, Besen und Gummistiefel. Und vor allem suche man freiwillige Helfer, um die Spendenartikel zu sortieren und zu verteilen.

Der Eishockeyverein Düsseldorfer EG richtete in seinem Stadion ein Sammellager ein und zog am Samstagabend auf Instagram das Fazit: "Der Tag war absolut überwältigend." Mehr als 1000 Umzugskartons mit Hilfsgütern seien schon gepackt, 100 freiwillige Helfer hätten sich gemeldet. Nun würden vor allem weitere Umzugskartons benötigt, Spenden würden nur noch aus Düsseldorf und Umgebung angenommen.

Daran sind seriöse Organisationen zu erkennen

Spendenwillige können sich auch an die jeweiligen Kreise wenden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat diese auf seiner Homepage aufgelistet. Die Kreise haben Bürgertelefone eingerichtet oder veröffentlichen Informationen auf ihren Homepages.

Die Lager mit Lebensmittel- und Kleiderspenden seien gut gefüllt, berichteten am Sonntag die Landkreise Euskirchen und Rhein-Erft in Nordrhein-Westfalen. Beide Kreise haben Konten für Hochwasser-Hilfen eingerichtet und bitten um Geldspenden. Sachspenden gebe es derzeit genug. "Es besteht vielerorts das Problem, dass zusätzliche Spenden nicht verwaltet und gelagert werden können", teilte der Kreis Euskirchen mit. Bundeskanzlerin Angela Merkel bat bei einem Besuch in der rheinland-pfälzischen Stadt Adenau die Menschen um Geldspenden für die Betroffenen, "dies ist aktuell am hilfreichsten".

Für Menschen, die Geld spenden wollen, hat das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) eine Liste mit Spendenkonten seriöser Hilfsorganisationen erstellt. Das DZI vergibt ein Siegel an solche Organisationen, die eindeutig und sachlich werben, sparsam wirtschaften und nachprüfbar ausweisen, wie das Spendengeld verwendet wird. Geprüft werden allerdings nur Hilfswerke, die sich selbst beim DZI melden und die Kosten für die Prüfung zahlen. Kleinere Organisationen sparen sich dies oft. Wenn ein Verein in der Liste fehlt, muss das also nicht bedeuten, dass er unseriös ist. Es könne auch sinnvoll sein, regionale und lokale Initiativen zu unterstützen, weil diese die Bedürfnisse am Ort gut kennen und durch ihre Nähe zu den Betroffenen schnell Hilfe leisten könnten, sagte DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. Spendenaufrufen von Privatpersonen oder lokalen Initiativen sollten Spendende dagegen nur folgen, wenn sie diese persönlich kennen und ihnen vertrauen.

Hier eine Auswahl an Spendenkonten:

Diakonisches Werk Wuppertal, Stadtsparkasse Wuppertal, IBAN: DE31 3305 0000 0000 5589 24, Stichwort "Hochwasser"

Spendenkonto des Landes Rheinland-Pfalz, Landeshauptkasse Mainz, IBAN: DE78 5505 0120 0200 3006 06, Stichwort "Katastrophenhilfe Hochwasser"

Stiftung Technisches Hilfswerk, Sparkasse Köln/Bonn, IBAN: DE03 3705 0198 1900 4433 73

Aktion Deutschland Hilft, Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30, Stichwort "Hochwasser Deutschland"

Caritas international, Freiburg, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, Stichwort "Fluthilfe Deutschland CY00897"

Deutsches Rotes Kreuz e.V., Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE63 3702 0500 0005 0233 07, Stichwort "Hochwasser"

Diakonie Katastrophenhilfe, Evangelische Bank, IBAN DE68 5206 0410 0000 5025 02, Stichwort "Hochwasser-Hilfe Deutschland"

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Bank für Sozialwirtschaft, IBAN DE94 3702 0500 0433 0433 00, Stichwort "Hochwasserkatastrophe"

Bürger helfen Bürgern: Spenden für Hochwasseropfer in Iserlohn über www.heimatcrowd.de

Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG): Spenden für die Ausrüstung der Mitarbeiter über www.dlrg.de/spenden/hochwasser

© SZ/epd/dpa/nas
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