Hochwasser in Ostdeutschland:Die Flut kommt

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Das Oder-Hochwasser wird gefährlicher: Im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree gilt die höchste Alarmstufe 4, nachdem der kritische Richtwert von 5,90 Meter am Pegel Ratzdorf überschritten wurde.

Die Hochwasserlage an der Oder spitzt sich zu: An der Oder in Brandenburg gilt von Mittwochabend 18 Uhr an die höchste Hochwasseralarmstufe 4 zur Katastrophenabwehr. Es besteht die Gefahr von Überflutungen von Dämmen und Deichen. Am Pegel Ratzdorf wurde eher als erwartet der kritische Grenzwert von 5,90 Meter erreicht. Ursprünglich war damit erst am Donnerstag gerechnet worden. Am Abend erreichte der Pegel sogar die Marke von sechs Metern.

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Ein Junge auf einem der Deiche in Ratzdorf im Osten Deutschlands, wo früher als erwartet der kritische Pegel-Grenzwert von 5,90 Meter gemessen wurde.

(Foto: getty)

Die Alarmstufe 4 rief der zuständige Landrat für den gesamten Kreis Oder-Spree, Manfred Zalenga (parteilos), aus. Spezielle Helfer stehen den Angaben zufolge bereit, um Sandsäcke zu füllen und Deiche zu sichern. Deichläufer beobachten rund um die Uhr die Lage.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) brach seinen Urlaub ab. "Alles, was ich zumindest gesehen habe an Vorbereitungen - und ich bin für die ganzen Deiche verantwortlich - das ist optimal gelaufen", sagte der Präsident des Landesumweltamtes, Matthias Freude, der Nachrichtenagentur dpa. "Jetzt kriegt man langsam den Ernst der Lage mit. Das wird das zweithöchste Hochwasser, dass die Oder in historischer Zeit erlebt hat." Allerdings seien die Deiche jetzt sehr viel besser, die Helfer eingespielt. "Das gibt uns ein gutes Gefühl."

Die "Hochwassermaschinerie" laufe seit einer Woche. "Wer was zu tun hat, weiß Bescheid. Die Sandsäcke liegen da. Die Stäbe haben getagt und tagen noch. Die Landräte sind alle informiert", betonte Freude. Ganz so dramatisch wie bei der großen Oderflut 1997 werde es nicht. "Das ist die gute Nachricht und die zweite gute Nachricht ist, die Deiche sind einfach unendlich viel besser als damals."

Am Mittwochnachmittag wurde nach Angaben des Innenministeriums in Potsdam eine weitere Beratung zur Lage an der Oder durchgeführt. "Sämtliche Deiche werden jetzt überwacht", sagte der Landrat von Oder-Spree, Manfred Zalenga (parteilos), auf dpa-Anfrage.

Mehr als hundert Deichläufer seien von sofort an in mehreren Schichten rund um die Uhr im Einsatz. Zwischen Neiße und Oder seien etwa 50 Kilometer Deich im Landkreis zu überwachen. Brandenburgs Innenminister Rainer Speer sagte seine Teilnahme an der am Donnerstag beginnenden Innenministerkonferenz in Hamburg ab.

Ministerpräsident Platzeck wird der Potsdamer Staatskanzlei zufolge seine Dienstgeschäfte am Donnerstag wieder aufnehmen. Er will sich mit weiteren Verantwortlichen in der Nähe der Oder über die aktuelle Situation informieren.

In Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice ist die Lage besonders schwierig. Zahlreiche Stadtteile liegen unterhalb des Oderpegels: Wasser aus der Kanalisation könnte die Stadt überfluten und zu Deichbrüchen führen. Bürgermeister Ryszard Bodziacki hatte an die Einwohner appelliert, die Stadt zum Wochenende zu verlassen. Geräumt werden sollte auch das örtliche Krankenhaus.

Das Hochwassermeldezentrum in Frankfurt ist durchgängig besetzt. Ab Donnerstag ist dort ein Bürgertelefon geschaltet. Zwischen 07.00 und 22.00 Uhr erhalten Bürger Auskunft unter der Rufnummer 0335-5603167.

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