Hochwasser in Deutschland:Passau erwartet höchsten Pegelstand seit 1501

Lesezeit: 4 min

Teile Sachsens und Bayerns stehen unter Wasser, Tausende Menschen müssen ihre Häuser verlassen: In vielen Orten werden Rekordpegelstände erwartet. Im niederbayerischen Passau könnte die Flut eine Höchstmarke aus dem Jahr 1501 übertreffen, dort sollen jetzt auch Bundeswehrsoldaten gegen die Wassermassen kämpfen.

Dem Südosten Bayerns droht am Montag ein Hochwasser ungeahnten Ausmaßes. Nachdem der Dauerregen auch in der Nacht nicht nachgelassen hatte, rechnen Rettungskräfte vielerorts mit neuen Höchstmarken.

"Möglicherweise werden wir eine Entwicklung bekommen, die zu einem Hochwasser führen könnte, das bisher noch nie dagewesen ist", sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Sonntagabend. Angesichts der dramatischen Situation richtete die Staatsregierung einen Krisenstab ein. Er soll sich am Montagmittag erstmals zusammensetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach den vom Hochwasser am stärksten betroffenen Ländern die "volle Unterstützung" der Bundesregierung.

Hochwasser in Passau Donau

Überflutete Altstadt von Passau: Der Pegelstand könnte einen 500 Jahre alten Rekord brechen.

(Foto: dpa)

Bis zum Sonntagabend wurde in zehn bayerischen Städten und Landkreisen Katastrophenalarm ausgelöst. Betroffen waren Stadt und Landkreis Passau, Stadt und Landkreis Rosenheim sowie die sechs Kreise Berchtesgadener Land, Miesbach, Mühldorf, Traunstein, Erding und Kelheim.

Zwölf Meter Pegelstand in Passau

In Passau werden am Montagmorgen Scheitelstände am Pegel des Inn um 9,50 Meter erwartet. Ein Pegelstand von zwölf Metern gilt als nicht ausgeschlossen - das letzte Hochwasser dieser Größenordnung wurde dort zuletzt im Jahr 1501 verzeichnet. Das Jahrhunderthochwasser 2002 hatte einen Höchststand von 10,81 Metern. "Für die Donau erwarten wir am Mittag den historischen Höchststand von 12,55 Meter", sagte ein Sprecher des Passauer Krisenstabes in der Nacht.

Die historische Altstadt und Teile des Zentrums der Dreiflüssestadt sind großflächig überspült. In einigen Häusern der Altstadt war aus Sicherheitsgründen der Strom abgestellt worden. Zahlreiche Straßen wurden wegen Überflutung gesperrt. Am Montagmorgen werden in der Stadt etwa 150 Soldaten zur Unterstützung der Einsatzkräfte erwartet.

Auch im Rest Bayerns ist die Lage teilweise dramatisch. In Kolbermoor bei Rosenheim brach ein Damm. Die Innenstadt von Rosenheim wurde für den Durchgangsverkehr gesperrt. Auch am Auerbach im Bereich von Oberwöhr hielt ein Damm den Wassermassen nicht mehr stand, die Anwohner wurden in eine Turnhalle gebracht. Am Inn wurden nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes in der Nacht zum Montag vielfach historische Höchstmarken überschritten.

Seit Beginn der angespannten Hochwasserlage am vergangenen Freitag waren nach Angaben des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann (CSU) im gesamten Freistaat etwa 15.000 Helfer im Einsatz.

Die Regierung von Oberbayern erließ für die Gebiete mit Katastrophenalarm ein Lkw-Fahrverbot. Lastwagen von zwölf Tonnen aufwärts dürfen dort bis Montag um 22 Uhr nicht fahren, ausgenommen sind die Fahrzeuge im Katastropheneinsatz. Auf den Autobahnen A 8 und A 93 dürfen Lkw zwischen Kufstein und München fahren - in Richtung Salzburg hingegen nicht.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema