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Hochhausbrand in London:Behörden befürchten mehr als 70 Tote

  • Die Behörden befürchten, dass in dem ausgebrannten Hochhaus in London noch Dutzende Leichen liegen.
  • Die Rettungskräfte befürchten, dass nicht alle Opfer identifiziert werden können.
  • Am Abend gibt es im Regierungsviertel eine Solidaritätsdemonstration für die Opfer.

Wer die Bilder vom Ort der Katastrophe betrachtet, sieht ein hoch in den Himmel ragendes, fast völlig zerstörtes Gebäude. Ein riesiger schwarzer Block, der jetzt für den Tod steht. Über die Szenerie im Londoner Stadtteil North Kensington habe sich eine "unheimliche Stille" gelegt, schreibt der Guardian-Reporter Jamie Grierson. Die meisten Feuerwehrleute und Polizeikräfte sind abgezogen. Die Fassade der nahegelegenen Latymer Community Church haben die Bürger zugepflastert, mit Fotos derjenigen, die bei der Brandkatastrophe am Mittwoch gestorben sind oder noch vermisst werden. Sie haben Blumen abgelegt und mit Filzstiften Gedichte, Trauerbotschaften und flehende Appelle auf eine weiße Leinwand geschrieben.

Die Behörden befürchten, dass sich noch Dutzende Leichen in dem Hochhaus befinden. 24 Opfer der Katastrophe werden noch in Krankenhäusern behandelt, bei zwölf Patienten sei die Lage "kritisch", teilte die Gesundheitsbehörde mit. Einem Bericht der Boulevardzeitung The Sun zufolge gelten noch immer 65 Menschen als vermisst. Die Polizei hat bislang den Tod von 30 Menschen bestätigt, aber hinzugefügt, dass die Zahl noch steigen dürfte. Auf die Frage, ob es mehr als 100 Todesopfer sein könnten, sagte Polizeichef Stuart Cundy: "Ich hoffe, dass es nicht eine dreistellige Zahl sein wird. Es könnte aber sein, dass wir nicht alle Opfer identifizieren werden."

Mehr als 600 Menschen lebten im 24-stöckigen Grenfell Tower, auch Büros und Geschäftsräume befanden sich darin. Experten warnten schon lange vor Mängeln beim Brandschutz. Vermutlich konnte sich das Feuer deshalb so schnell ausbreiten, weil in der Fassadenverkleidung Dämmstoffe verwendet wurden, die stark entzündlich sind.

Nach dem Unglück geben viele Bürger der britischen Regierung eine Mitschuld an dem Feuer. Die Kriminalpolizei Scotland Yard hat inzwischen offiziell Ermittlungen aufgenommen. Premierministerin Theresa May kündigte eine umfassende Untersuchung der Ursache an, steht jedoch in der Kritik, weil sie am Donnerstag zwar den Ort der Katastrophe besuchte, aber keine Opfer traf.

Aktivisten haben für Freitagabend zu einer Solidaritätskundgebung im Regierungsbezirk Westminster aufgerufen. Die Demonstration soll vor dem Ministerium stattfinden, das für den Wohnungsbau verantwortlich ist. Alle Bewohner des Hochhauses sollen noch an diesem Wochenende eine neue Wohnung erhalten, so die zuständige Bezirksverwaltung. Zahlreiche Menschen hatten die vergangenen Nächte in Turnhallen und Hotels verbracht.

Die Regierung will als Reaktion auf die Katastrophe Hochhäuser im ganzen Land auf Brandschutzmängel überprüfen lassen. Das Dämmmaterial, das im Grenfell Tower verwendet wurde, ist in den USA seit 2012 verboten. Experten vermuten, dass es in Großbritannien in Tausenden Gebäuden verbaut wurde.

"Wir haben ungefähr 4000 Hochhäuser im Land, aber nicht bei allen wurde die Fassade erneuert. Wir müssen auf die Einschätzung der Experten warten", sagte Sajid Javid, der für die Kommunen zuständige Minister. Man werde alles tun, um sicherzustellen, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholen könne.

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