Nachdem in mehreren europäischen Ländern Rattengift in Gläsern des Babykostherstellers Hipp gefunden worden ist, fahnden Polizisten nach einem mutmaßlichen Erpresser. Im österreichischen Burgenland sucht die Polizei nach einem weiteren vergifteten Glas. Die zuständige Kriminalpolizei in Ingolstadt ermittele gegen unbekannt, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitteilte. Bei der Kripo sei eine Ermittlungsgruppe namens „Glas“ eingerichtet worden. Hipp hat seinen Sitz im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm.
„Hipp ist Opfer einer Erpressung“, teilte das Unternehmen mit. „Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in größeren zeitlichen Abständen gesichtet wird.“ Den Inhalt der Erpresser-E-Mail und was konkret gefordert wurde, teilten weder Hersteller noch Polizei mit. „Wir stehen in engem Austausch mit dem Konzern – und auch mit den benachbarten betroffenen Ländern“, sagte eine Polizeisprecherin lediglich.
Am Wochenende war ein mit Rattengift verseuchtes 190-Gramm-Glas „Karotten mit Kartoffeln“ des Unternehmens im Bundesland Burgenland in Österreich sichergestellt worden. Zumindest zwei solcher manipulierter Gläser sollen in dieser Region in Umlauf gebracht worden sein, eines davon wird noch gesucht. Wie die Polizei hier vorgeht, gaben die Ermittler aus taktischen Gründen nicht an.
In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden laut Polizei insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser entdeckt. Laboruntersuchungen ergaben, dass diese Rattengift enthielten. In Deutschland wurden keine mit Gift verunreinigten Gläser gefunden. Die Polizei in Österreich suchte auf Hochtouren nach dem weiteren möglicherweise vergifteten Glas. „Wir setzen alle Hebel in Bewegung und haben nun auch Kontakt zu Kindergärten und Pflegeeinrichtungen aufgenommen“, sagte eine Sprecherin der Polizei im Bundesland Burgenland.
Die Staatsanwaltschaft in Österreich ermittelt nach eigenen Aussagen wegen „vorsätzlicher Gemeingefährdung“. Es solle genauer untersucht werden, welche Dosis das Rattengift in einem der sichergestellten Gläser hatte und wie gefährlich es beim Verzehr gewesen wäre, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Burgenland mit.
Laut Polizei können manipulierte Gläser an einem beschädigten Deckel oder am Fehlen des Plopp-Geräuschs beim Öffnen erkennbar sein. Zudem sollen sie mit einem weißen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden markiert sein. Bei Auffälligkeiten an den Babykostgläschen sollte der Inhalt nicht verzehrt und umgehend die Polizei verständigt werden, mahnten die Beamten.
Es handele es sich nicht um einen Produkt‑ oder Qualitätsmangel, teilte Hipp mit. „Die Gläschen haben unser Hipp-Werk in einwandfreiem Zustand verlassen.“ Betroffene Handelspartner hätten alle Babygläschen des Unternehmens aus dem Verkauf genommen. „Hipp ruft weiterhin alle Babykostgläschen zurück, die bei Spar Österreich gekauft wurden.“ Vorsorglich, präventiv und ohne Verdachtsmomente nahm am Montag auch die Rewe-Gruppe in Österreich Hipp Produkte bei Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg aus dem Verkauf. Ebenso agierte die Drogeriemarktkette dm.

