Hinrichtung in Iran Ohne Gnade

In Iran ist die Frau eines Fußballers wegen Mordes an dessen erster Frau hingerichtet worden. Das Urteil war bis zum Schluss umstritten, doch die Familie bestand auf dem Todesurteil - und vollstreckte es selbst.

In Iran ist die wegen Mordes verurteilte Frau eines bekannten Fußballspielers hingerichtet worden. Wie die Nachrichtenagentur Isna berichtete, starb Shahla J. am Mittwochmorgen im Evin-Gefängnis in Teheran durch den Strang.

Shahla J. auf einem Archivbild aus dem Jahr 2004.

(Foto: AP)

Der Fall hat die iranische Öffentlichkeit in den vergangenen acht Jahren beschäftigt, weil es sich bei dem Mordopfer um die Frau des populären Fußballspielers Nasser Mohammadkhani handelte.

Shahla J. wurde 2004 und noch einmal 2009 zum Tode verurteilt, nachdem ihre Berufung abgewiesen worden war. Der Sohn des Opfers habe den Stuhl unter den Füßen der Verurteilten weggezogen, berichtete die Nachrichtenwebsite khabaronline.ir. Auch der frühere Fußballspieler Chani war Zeuge der Hinrichtung.

In dem Bericht hieß es weiter, Mitarbeiter der Justizbehörden hätten fast eine Stunde mit der Familie des Opfers gesprochen und vergeblich versucht, das Leben der Verurteilten zu retten. In den vergangenen Jahren hatten zahlreiche iranische Intellektuelle die Familie um Gnade für die Frau gebeten. Nach islamischem Recht können enge Familienmitglieder mit einem Gnadenakt den Mördern eines Angehörigen die Vollstreckung des Todesurteils ersparen.

Die Verurteilte hatte das Verbrechen zunächst geleugnet, dann aber ein Geständnis abgelegt. Später widerrief sie ihre Aussage. Mehrere iranische Experten äußerten die Vermutung, sie sei fälschlicherweise verurteilt worden.

Schiitische Muslime dürfen nach ihren Glaubensgrundsätzen drei Frauen neben der Hauptfrau haben. Außerdem können sie zeitlich begrenzte Ehen eingehen, um etwa außereheliche Beziehungen zu legitimieren. Diese Praxis wird von Frauenrechtlerinnen immer wieder kritisiert.