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Hessen:Geiselnahme in Kino: Motiv unklar

  • Ein Mann hat in einem Kino im hessischen Viernheim Geiseln genommen.
  • Er trug eine Waffe und schoss mehrmals - ob die Waffe scharf war, ist allerdings unklar.
  • Ein SEK der Polizei befreite alle Geiseln unverletzt und tötete den Angreifer.
  • Mehrere Medien berichteten zudem, dass beim Täter ein Sprengstoffgürtel gefunden wurde. Das wollte die Staatsanwaltschaft weder dementieren noch bestätigen.

Bilder wie diese hat man zuletzt immer wieder mal gesehen, in Paris, in Brüssel, Orlando: Vermummte und schwerbewaffnete Polizisten, kreisende Hubschrauber, Absperrbänder, verwackelte Live-Aufnahmen im Fernsehen. Am Donnerstag spielte sich genau das in Viernheim ab, einer südhessischen Kleinstadt in der Nähe von Mannheim, knapp 30 000 Einwohner. Die Stadt ist mit einem kleinstadttypischen Kinocenter ausgestattet, über dem Eingang leuchten die blauen Buchstaben "Kinopolis", darunter die Plakate des aktuellen Programms: "The Nice Guy!", "Erlösung", solche Sachen. Es ist ein makabres Motiv, das sich den Fotografen an diesem Nachmittag bietet: Polizisten und Kino-Action.

Großaufgebot der Polizei

Am Nachmittag war ein bewaffneter und maskierter Mann in das Kinocenter eingedrungen, offenbar nahm er dann Geiseln, jedenfalls bedrohte er mehrere Besucher. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, nach ein paar Stunden war es vorbei: Die Beamten stürmten das Kino, dabei sei es "zu einer Bedrohungssituation" gekommen, sagte eine Sprecherin der Polizei, weshalb die Beamten Gebrauch von ihrer Schusswaffe gemacht hätten. Der Geiselnehmer sei dabei tödlich verletzt worden. Alle Geiseln konnten unverletzt befreit werden; sie litten lediglich unter den Nachwirkungen des Reizgas-Einsatzes.

Viernheim

Lokalisierung des Kinos in Viernheim

Nach Angaben des Kino-Geschäftsführers hielten sich an dem Nachmittag etwa 30 Gäste und neun Mitarbeiter im "Kinopolis" auf. Das Kino liegt neben einem Einkaufszentrum und war weiträumig abgesperrt worden. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sagte im Landtag in Wiesbaden, gegen 14.45 Uhr sei ein erster Notruf eingegangen, dabei habe es geheißen: Der Täter sei maskiert und habe eine sogenannte Langwaffe bei sich, also ein Gewehr. Der Täter habe einen verwirrten Eindruck gemacht.

Das Wort "verwirrt" will die Polizei nicht kommentieren. Überhaupt halten sich die Beamten bedeckt. Es handelte sich sehr wahrscheinlich um einen Einzeltäter, einen terroristischen Hintergrund soll es nicht geben - doch zu genauerer Motivlage wie auch zu Herkunft und Alter des Täters: keine Angaben. Die Ermittler untersuchten noch den Tatort, sagte ein Polizeisprecher; konkrete Ermittlungsergebnissen würden erst am Freitag bekanntgegeben. Ob tatsächlich, wie am Abend in verschiedenen Medien berichtet, neben dem toten Täter ein Sprengstoffgürtel gefunden wurde, wollte die zuständige Staatsanwaltschaft Darmstadt auf Anfrage weder dementieren noch bestätigen. In der Umgebung des Kinos suchte die Polizei die umliegenden Tiefgaragen ab, um ein mögliches Fahrzeug des Täters zu finden.

Ein 21-jähriger Kinomitarbeiter spricht schließlich mit Reportern. Er habe zuerst gedacht, der mit Sturmhaube und Waffe ausgestattete Mann sei ein Kunde; verkleidete Kinobesucher sind nicht selten. "Erst als er dann zu uns kam mit der Waffe und uns aufgefordert hat, uns auf den Boden zu legen, da hab' ich gemerkt: Es ist ernst." Allerdings sagt auch der Kinomitarbeiter: "Verwirrt hat er auf mich gewirkt."