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Hannover:Rockerboss Hanebuth zu Geldstrafe verurteilt

Prozess gegen Rockerboss Hanebuth

Frank Hanebuth im Gerichtssaal in Hannover.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Der frühere Hannoveraner Hells-Angels-Chef war bei einer Schlägerei anwesend. Doch eine gemeinschaftliche Körperverletzung konnte das Gericht ihm nicht nachweisen. Nun muss er nur 4000 Euro zahlen.

Im Prozess gegen Rockerboss Frank Hanebuth hat das Amtsgericht Hannover Geldstrafen gegen ihn und weitere Angeklagte der Rockergruppe Hells Angels verhängt. Eine gemeinschaftliche Körperverletzung sei nicht nachweisbar, eine einfache, von einem einzelnen Mitglied der Gruppe begangene Körperverletzung aber schon, sagte die Vorsitzende Richterin Monika Pinski am Donnerstag zur Urteilsbegründung.

Hanebuth, früher Chef der hannoverschen Hells Angels, wurde wegen Nötigung und Beihilfe zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt. Ein weiterer, 46 Jahre alter Angeklagter wurde zu 5400 Euro verurteilt. Er hatte den Chef einer Autowerkstatt in Langenhagen bei Hannover geschlagen. Rockerboss Hanebuth war nach Überzeugung des Gerichts an der Schlägerei beteiligt. Die Richterin sagte den Verurteilten: "Was Sie getan haben, war nicht in Ordnung und wird geahndet, aber verhältnismäßig." Die übrigen drei Verurteilten müssen Geldstrafen von bis zu 1500 Euro bezahlen.

Im April 2018 waren die Männer, laut Anklage gehören sie alle zur Rockergruppe Hells Angels, bei dem Kfz-Mechaniker erschienen. Bei dem Vorfall soll es um Mietrückstände von 2500 Euro gegangen sein. Der 40-jährige Kfz-Mechaniker sprach dagegen von einem "Konflikt" um seine Ex-Partnerin, bei der er die 2500 Euro Schulden hatte. Deren neuer Freund ist wiederum der 46-jährige Angeklagte. Die Frau sagte aus, sie und ihre 26 Jahre alte Tochter seien von ihrem Ex-Partner bedroht worden.

Der Kfz-Mechaniker verweigerte die Aussage weitgehend. Er erinnere sich nicht, was bei dem Streit gesagt wurde, erklärte er vor Gericht. Die Polizei habe aus dem Streit "eine Affäre gemacht". Ein Beamter, der vor mehr als zwei Jahren die Zeugenaussage des Mannes aufgenommen hatte, erinnerte sich an eine andere Geschichte: Der 40-Jährige habe damals von Schutzgeldforderungen gesprochen und ängstlich gewirkt.

Bei einer Razzia im Zusammenhang mit den Vorwürfen wurden im November 2018 zudem verbotene Waffen und Munition auf dem Anwesen von Hanebuth gefunden. Laut Richterin Pinski ist das ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Die Bemerkung von Hanebuths Anwalt, wonach eine Patrone in einer Gürteltasche ein Glücksbringer sein könne, bezeichnete sie als "total charmant".

Auch in Spanien muss Hanebuth sich vor Gericht verantworten

Sowohl der Staatsanwalt, der überwiegend Bewährungsstrafen gefordert hatte, als auch Hanebuths Anwalt wollen nun prüfen, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Der Prozess in Hannover ist aber nicht das einzige Verfahren, mit dem der Rockerboss derzeit zu tun hat: 2013 war Hanebuth in seiner damaligen Heimat Mallorca festgenommen worden, er saß zwei Jahre in Spanien in Untersuchungshaft. Dort wird ihm unter anderem die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Bei der Anklageerhebung vor dem Staatsgerichtshof in Madrid forderte die Staatsanwaltschaft für Hanebuth 13 Jahre Haft. Ein Urteil steht noch aus. Der 55-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Nach seiner Rückkehr nach Niedersachsen heiratete er im Sommer 2017, knapp ein Jahr später eröffnete er eine Bar in Hannover. Im November 2001 hatte das Landgericht Hannover ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

© SZ/dpa/afis/olkl
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