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Heiratsschwindel:Verliebt, getrennt, verheiratet

Gina Lollobrigida und Javier Rigau

Gina Lollobrigida, 88, und der 34 Jahre jüngere Spanier Javier Rigau Rafols, hier in Monaco 2003 - heute begegnen die beiden sich nur noch vor Gericht.

(Foto: dpa)

Italien erlebt mal wieder ganz großes Kino mit der Schauspielerin Gina Lollobrigida, 88, - nur diesmal in echt: Es geht um Heiratsschwindel und Erbschleicherei.

Das richtige Leben, muss man wieder einmal feststellen, ist der beste Film. Voll mit dramatischen und spektakulären Wendungen, ein bisschen Telenovela, ein bisschen Melodrama. Da stand also Gina Lollobrigida, 88 Jahre alt, im dunklen Tailleur und mit assortierter Tasche im Gerichtssaal in Rom und erzählte von einer Geschichte aus ihrem aufregenden Leben, die ganz gut in eine dieser romantischen Komödien gepasst hätte, in denen die Diva früher spielte. Nur eben, dass diese Episode wahr ist. Sie handelt von Heiratsschwindel und trüber Erbschleicherei, von einer bitteren Enttäuschung.

"La Lollo" bezichtigt ihren früheren Gefährten, den 34 Jahre jüngeren Spanier Javier Rigau Ráfols, er habe sie mit einem perfiden Manöver betrogen. Sie sagt, sie habe aus den Medien erfahren, dass sie mit diesem Mann verheiratet sei, formal eingetragen in einem Eheregister von Barcelona. Gegen ihren Willen, ohne ihr Wissen.

Man muss etwas ausholen. Die beiden lernten sich nach der Jahrtausendwende bei einer Benefizveranstaltung in Monte Carlo kennen. Rigau soll ein Fan der Schauspielerin gewesen sein. Alter war nur ein Accessoire; der Mythos altert ja nicht. Man traf sich bald öfter, verreiste miteinander, ohne sich körperlich ganz, ganz nahe zu kommen. "In den Hotels hatten wir immer getrennte Zimmer", sagt sie, "in Rom haben wir jeweils nur miteinander diniert." 2006 stand Lollobrigida dann aber doch der Sinn nach einer neuen Ehe. "Ich wollte eine Hochzeit mit allem Pomp, in New York, um einen schwierigen Moment in meinem Leben zu vergessen." Die Presse schrieb, Rigau sei ein "Toy Boy". Und natürlich hieß es auch, er schiele auf ihr stattliches Vermögen, offenbar mehr als 30 Millionen Euro. Doch sie vertraute ihm, allen maliziösen Kommentaren zum Trotz.

Mitten in den Hochzeitsvorbereitungen bekam Lollobrigida dann, was man normalerweise in jungen Jahren bekommt: kalte Füße. "Ich rief ihn an und sagte die Hochzeit ab." Am Tag darauf erfuhr sie aus den spanischen Zeitungen, dass Rigau herumerzähle, er habe sie verlassen. Nicht umgekehrt. Sie stellte ihn zur Rede, die Romanze schien zu Ende zu sein. Doch man hielt Kontakt. Rigau hatte sich unterdessen auch mit Lollobrigidas Sohn Milko befreundet, der sich bald auf die Seite des Katalanen schlug. Milko beantragte, dass seine betagte Mutter einem Tutor unterstellt würde, weil sie nicht mehr ganz zurechnungsfähig sei. Sie sagt dazu: "Wenn schon, dann hat mein Sohn ein Problem im Kopf."

Die Italiener hielten zu "Lollo nazionale". Sie trat im Fernsehen auf, beredt wie immer und, natürlich, noch immer schön, "ancora bella". Die Italiener lieben es, wenn ihre alternden Stars von ihren Erfolgen in Hollywood erzählen, von der großen Welt, vom Triumph der Italianità da draussen. Bei Lollobrigida waren es vor allem die Fünfziger und Sechziger, die Boomzeiten. Mit allen spielte sie: mit Humphrey Bogart, Tony Curtis, Anthony Quinn, Burt Lancaster. Fidel Castro, den sie mehrmals traf, sagte einmal, er sei verliebt gewesen in sie. Und er fügte an, dass es eine platonische Liebe gewesen sei, was niemand wirklich glauben mochte. Luigina "Gina" Lollobrigida aus Subiaco, einem Provinznest bei Rom, Absolventin der Kunstschule, war zu ihrer besten Zeit nicht nur eine üppig ausgezeichnete Schauspielerin - sie war auch ein globales Sexsymbol, die südländische Marilyn Monroe gewissermaßen. Es war die Zeit, da Italien der männlichen Welt auch noch Sophia Loren und Claudia Cardinale schenkte. Als Lollobrigida ihre Filmkarriere beendete, gab sie sich ihren Leidenschaften hin, der Fotografie und der Skulptur. Man sagte von ihr, sie habe den Übergang mit Klasse geschafft. Nur mit den Männern war es so eine Sache.

Rigau jedenfalls ließ nicht locker. 2010 bezeugte er ihr erneut seine Liebe. Damit sie ihm glaubte, präsentierte er ein Testament, in dem er ihr für den Fall seines Ablebens alles vermachte. Er sei reich, sagte er, und er habe ein Herzproblem. "Das Testament trug weder seine Unterschrift noch die eines Notars", sagt Lollobrigida. Zwei Jahre später lud er sie nach Barcelona ein, wo sie ein Dokument unterschrieb, das einem gemeinsamen Anwalt die Vollmacht übertragen sollte, in ihrem Namen gerichtlich gegen Medienattacken vorzugehen. Behauptete Rigau. Das Dokument war in Spanisch. Lollobrigida sagt, sie habe den Inhalt nicht verstanden, sich aber dennoch zur Unterschrift drängen lassen.

Mit dieser falschen Vollmacht, so steht es nun in der Anklage, hat Rigau Lollobrigida zivil und betrügerisch geehelicht, mit allen Rechten. Zur Trauung erschien eine ältere Dame, Rigaus Komplizin. Sie gab "la Lollo". Man muss annehmen, dass der diensthabende Beamte in Barcelona die Italienerin nicht kannte, sonst wäre ihm der Schwindel wohl aufgefallen. Lollobrigida ist ja "ancora bella", fast wie damals.

So kam es, dass Gina Lollobrigida herausfand, dass sie verheiratet ist. Seit einer Hochzeit ohne Pomp, weitab von New York. Im Gericht redete sie sechs Stunden über ihre Geschichte, mit allen Wendungen und Wirren. Es war, als sei sie einem Drehbuch entlehnt. Nur noch besser und dramatischer.

© SZ vom 03.02.2016
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