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Heilpraktikerseminar:Gefährlicher Massenrausch: Psychotherapeut gesteht

Prozess Massenrausch Handeloh

Etliche Krankenwagen brachten die Seminarteilnehmer 2015 in Kliniken.

(Foto: Christian Butt/dpa)
  • Ein Massenexzess bei einem Therapeuten-Seminar löste vor zwei Jahren einen Großeinsatz von Rettungskräften aus.
  • Nun muss sich der Seminarleiter vor Gericht verantworten.
  • Er gibt zu, den Teilnehmern psychoaktive Substanzen verabreicht zu haben.

Teilnehmer wälzten sich schreiend auf dem Boden, einige wurden bewusstlos: Zwei Jahre nach dem Massenrausch bei einem Seminar um erweiterte Wahrnehmung hat der angeklagte Psychotherapeut eingeräumt, damals Drogen verteilt zu haben. "Ich bestätige, dass die Anklagevorwürfe zu Recht erhoben wurden", sagte der 52-Jährige zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Stade in Niedersachsen.

Er habe den 27 Teilnehmern Kapseln mit dem Halluzinogen 2C-E angeboten, in denen ohne sein Wissen auch die psychoaktive Substanz DragonFly enthalten gewesen sei. Er sprach von einem "Unfall" und entschuldigte sich bei den Betroffenen. Es habe sich um eine "freiwillige, selbstverantwortliche Einnahme" gehandelt.

Über 160 Rettungskräfte waren am 4. September 2015 wegen des Vorfalls im niedersächsischen Handeloh im Einsatz. Die 27 Teilnehmer des Seminars und die beiden Organisatoren - der Angeklagte und seine Ehefrau - wurden unter anderem mit Krämpfen, Wahnvorstellungen und Herzrasen in Krankenhäuser gebracht. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um die Auswirkungen eines Drogenexperimentes handelte.

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Die Staatsanwaltschaft wirft dem Diplom-Psychologen und Psychotherapeuten das Überlassen von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch und Drogenbesitz vor. Das Verfahren gegen die Ehefrau des Angeklagten wurde bereits gegen eine Geldbuße eingestellt.

Laut Anklage sollte bei dem Seminar im Rahmen einer äußerst umstrittenen Therapieform, der sogenannten Psycholyse, eine Bewusstseinserweiterung erreicht werden. Das bestreitet der Angeklagte, auch wenn er die Therapieform begrüße. Dafür sei 2C-E in der verabreichten Dosis unbrauchbar. Er selbst und seine Frau hätten die Substanz unwissentlich eingenommen, wohl beim Trinken, sagte er.

Im Herbst 2015 waren bereits die Ermittlungen gegen die Teilnehmer des Seminars eingestellt worden, weil sie die Droge nur konsumiert hatten - was nicht strafbar ist.

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