Heiligsprechung von Papst Johannes Paul II.:Pontifex der Rekorde

Nur ein Papst amtierte länger als Johannes Paul II., kein Pontifex reiste öfter als er. Nun wird Karol Wojtyla als erster Pole in Rekordzeit heiliggesprochen - nur acht Jahre nach seinem Tod.

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Papst Johannes Paul II wird selig gesprochen

Quelle: dpa

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Nur ein Papst amtierte länger als Johannes Paul II., kein Pontifex reiste öfter als er. Nun wird Karol Wojtyla als erster Pole in Rekordzeit heiliggesprochen - nur acht Jahre nach seinem Tod.

Als Papst Johannes Paul II. im Jahr 2005 starb, forderten Gläubige mit dem Slogan "Santo Subito" auf dem Petersplatz in Rom seine sofortige Selig- und Heiligsprechung. Sein damaliger Nachfolger und enger Vertrauter Papst Benedikt XVI. konnte diesen Wunsch schon allein aus kirchenrechtlichen Gründen nicht erfüllen.

Normalerweise kann der Prozess der Seligsprechung erst fünf Jahre nach dem Tod eines Menschen eingeleitet werden. Dennoch sorgte Benedikt XVI. für ein ungewöhnlich schnelles Verfahren und so wird Johannes Paul II. am 1. Mai 2011 seliggesprochen. Es ist das kürzeste Seligsprechungsverfahren der Neuzeit. Am 5. Juli 2013 wurde nicht einmal acht Jahre nach seinem Tod seine Heiligsprechung bekanntgegeben.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war die Rede davon, dass Johannes Paul II. bereits heiliggesprochen sei. Das ist falsch; der Festakt zur Heiligsprechung wird voraussichtlich im Herbst erfolgen.

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Quelle: AFP

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Ohne sie wäre die Seligsprechung des verstorbenen Papstes nicht möglich gewesen: Die Nonne Marie Simon-Pierre. Ihre Heilung ist das Wunder, das für den Abschluss des Verfahrens nötig war. Die Französin Simon-Pierre gibt an schwer an Parkinson erkrankt gewesen zu sein. Ihre Ordensoberin habe sie nach dessen Tod aufgefordert, den Namen des Verstorbenen aufzuschreiben, was ihr nur unleserlich gelungen sei.

Doch am anderen Tag seien ihre Schmerzen verschwunden gewesen, sie habe wieder problemlos laufen und schreiben können. Dies wurde von der katholischen Kirche als Wunder anerkannt, sodass Johannes Paul II. seliggesprochen werden konnte.

Voraussetzung für eine Heiligsprechung - und damit die offizielle Verehrung in der katholischen Weltkirche - ist jedoch noch ein zweites Wunder. Dieses hatte die Kardinalsversammlung der zuständigen Kongregation des Vatikans Johannes Paul II. bereits vor der Heiligsprechung zugesprochen. Dabei soll es sich um die Heilung einer Frau aus Costa Rica von einer Gehirnverletzung handeln, die am 1. Mai 2011 stattgefunden hat - dem Tag der Seligsprechung von Johannes Paul II.

EARLY PHOTO OF POPE JOHN PAUL II POSING AFTER RECEIVING FIRST COMMUNION

Quelle: Reuters

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Der Lebensweg von Johannes Paul II beginnt im polnischen Wadowice, wo er am 18.5.1920 als Karol Jozef Wojtyla geboren wird. Das Bild zeigt ihn bei der Erstkommunion in der Erzdiöseze Krakau. Wojtyla wird als lernbegeisterter Schüler und guter Sportler beschrieben.

Young Pope Shaves Outdoors

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Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird Wojtyla in einem militärischen Trainingslager der Universität Krakau an der Waffe ausgebildet. Was ihn nach Ausbruch des Krieges vor der Deportation und Haft bewahrt, ist seine Arbeit als Steinschneider und später als Angestellter in einer Chemiefabrik.

Pope John Paul II beatification

Quelle: dpa

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In dieser Zeit erwacht auch sein Interesse an der Theologie. 1942 tritt er ins Krakauer Priesterseminar ein, zwei Jahre später empfängt er die Tonsur. 1958 wird Wojtyla Weihbischof und im Jahr 1967 setzt ihm Papst Paul VI. in Rom die Kardinalskappe auf.

Attentat auf Papst Johannes Paul II., 1981

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1978 wird aus Wojtyla Papst Johannes Paul II. Nur drei Jahre später wird er Opfer eines Attentats. Der Türke Mehmet Ali Agca gibt mehrere Schüsse auf ihn ab.

Pope John Paul II beatification

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Agca wird zu lebenslanger Haft verurteilt. Johannes Paul II. besucht seinen Attentäter im Gefängnis und vergibt ihm. Dennoch weigert Agca sich, etwas über die Hintergründe der Tat zu verraten. 19 Jahre später wird der Attentäter begnadigt und in die Türkei gebracht, wo er wegen anderer Delikte eine weitere Haftstrafe abzusitzen hat. Seit dem Attentat wagt sich der Papst nur noch im Papamobil in Menschenmassen. Die Panzlerglasfenster des Gefährts sollen ihn vor weiteren Angriffen schützen.

PAPST JOHANNES PAUL - JASSIR ARAFAT

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Der Frieden im Nahen Osten ist Johannes Paul II. ein großes Anliegen. Das Bild zeigt ihn bei einem Treffen mit dem ehemaligen Palästinenser-Präsidenten Jassir Arafat in der Sommerresidenz des Papstes am Rand von Rom. Neben den Besuchen, die Johannes Paul II. von bedeutenden Politikern erhält, reist er trotz seines immer schlechter werdenden Gesundheitszustandes viel.

Papst Johannes Paul II. wird heiliggesprochen.

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Mit Mutter Teresa verbindet Johannes Paul II. der unterschütterliche Glaube. Nach ihrem Tod 1997 sorgt er für eine schnelle Seligsprechung der Ordensschwester, so dass sie schon sechs Jahre später offiziell verehrt werden darf.

Pope John Paul II beatification

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2004 auf dem Petersplatz in Rom: Papst Johannes Paul II. erhält von Kardinal Joseph Ratzinger die Heilige Kommunion. Der Präfekt der Glaubenskongregation ist einer der einflussreichsten Berater Johannes Pauls II. In den fast 24 Jahren, in denen die beiden Kirchenfürsten zusammenarbeiteten, wird ihre Beziehung immer enger. Wöchentlich treffen sie sich zu einem langen Gespräch. Nur selten sind Ratzinger und der Papst unterschiedlicher Meinung.

Papst Johannes Paul II. wird heiliggesprochen.

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Doch so harmonisch ihre Beziehung auch ist - in ihrer Persönlichkeit gleichen sich Ratzinger und Johannes Paul II. kaum. Johannes Paul II. verfügt über ein großes Charisma, er kann die Massen ohne Mühe begeistern. Ratzinger dagegen wirkt stets ein wenig zurückhaltend. Laut wird er nur selten.

Kranker Papst erteilt stummen Ostersegen

Quelle: dpa/dpaweb

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Kurz vor seinem Tod erteilt der Papst einen stummen Ostersegen vom Fenster seines Amtszimmers. 70.000 Menschen sind gekommen, um Johannes Paul II. zu sehen - viele wissen, dass es das letzte Mal sein könnte.

Jahresrückblick - Trauerfeier für den Papst Johannes Paul II

Quelle: dpa/dpaweb

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Am 2. April 2005 stirbt Johannes Paul II im Alter von 84 Jahren. Bei seiner Trauerfeier  einige Tage darauf segnet Kardinal Joseph Ratzinger seinen Sarg.

Papst Johannes Paul II.

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Johannes Paul II. geht in die Geschichte ein als ein Papst der Rekorde und historischen Ereignisse: Kein anderer Pontifex brach zu so vielen Reisen auf (mehr als 100), nahm so viele Heilig- und Seligsprechungen vor (1338 Selig- und 483 Heiligsprechungen). Das Pontifikat von Johannes Paul II. war mit 27 Jahren das zweitlängste der Kirchengeschichte, er besuchte als erster Papst eine Synagoge (1986) und eine Moschee (2001), sein Beitrag zum Fall des Kommunismus ist unbestritten. Es passt also zu Karol Wojtyla, dass er in Rekordzeit seliggesprochen wird.

© sueddeutsche.de/fiem/anri/wolf
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