Prozess in Heilbronn Worüber man nicht hinwegkommt

Der Junge liebte seine "Pflegeoma", und sie liebte ihn, da waren sich alle sicher. Eines Morgens lag das Kind tot in der Badewanne.

(Foto: Linda Vogt/dpa)

Eine Pflegeoma tötet das ihr anvertraute Kind und bleibt die Erklärung schuldig. Über einen Prozess, der den Eltern keinen Trost lässt - und ein gesellschaftliches Grundvertrauen erschüttert.

Von Moritz Geier

Es gibt keine klare Antwort, auch am Ende dieses Prozesses nicht. Warum musste im baden-württembergischen Künzelsau ein Junge sterben, sieben Jahre alt, im Haus seiner "Pflegeoma", die er jahrelang gekannt hatte? Die er liebte, die ihn liebte, da waren sich alle sicher. Trotzdem lag der Junge an einem Morgen vor knapp einem Jahr tot in der gefüllten Badewanne, mit Würgemalen am Hals.

Am Montag hat das Landgericht Heilbronn die 70-jährige Angeklagte wegen Totschlags zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Fall ...

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