Vereinigte Arabische Emirate:Verstörende Details über gewaltsame Rückführung

Um dem entgegenzutreten, hatte das Außenministerium der Emirate im Dezember Fotos der Prinzessin veröffentlicht, die sie bei einem gemeinsamen Essen mit der früheren irischen Präsidentin Mary Robinson zeigen, die von 1997 bis 2002 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte war. Eingefädelt hatte den viel kritisierten Besuch Prinzessin Haya - die beiden verbindet eine persönliche Freundschaft.

Latifa wirkte auf den Aufnahmen abwesend, was Spekulationen befeuerte, auch sie sei unter Drogen oder Medikame gesetzt worden. Haya sagte in Interviews, Latifa sei eine labile junge Frau, die geschützt werden müsse, deswegen wolle sie auf diese "äußerst private Familiensache" nicht weiter eingehen.

Haya habe in der Zwischenzeit neue, verstörende Details über Latifas gewaltsame Rückführung erfahren, berichtet die BBC unter Berufung auf Quellen im persönlichen Umfeld Hayas. Sie habe sich "zunehmender Feindseligkeit und Druck" aus der Familie ihres Mannes ausgesetzt gesehen und um ihre persönliche Sicherheit in Dubai gefürchtet, meldet die BBC weiter. Auch mache sie sich Sorgen, selbst Opfer einer Rückführungsaktion zu werden.

Bundesregierung dementiert Gerüchte zu Asylantrag

Aktivisten fordern sie nun auf, alle Informationen über Latifas Schicksal preiszugeben, die ihrem Vater unmenschlichen Umgang mit Frauen vorgeworfen hat und sagt, dass dessen Untergebene sie nach einem Fluchtversuch im Alter von 16 Jahren geschlagen, gefoltert und misshandelt hätten.

Prinzessin Haya soll sich mit ihren Kindern in einer Villa nahe dem Kensington-Palast aufhalten, die ihr alleine gehören soll, und, so berichtet der Guardian, am High Court ein Scheidungsverfahren angestrengt haben.

Von britischen Boulevardmedien verbreitete Gerüchte, sie habe zunächst in Deutschland Asyl beantragt und ihre Flucht mit Hilfe eines deutschen Diplomaten organisiert, dementiert die Bundesregierung. Die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr, sagte am Montag, es lägen "zu diesem in der Presse berichteten Sachverhalt keine Informationen vor". Die emiratische Seite erklärte, keinen Kontakt mit deutschen Behörden gehabt zu haben.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung verfügt Prinzessin Haya über ein Schengen-Visum, das ihr erlauben würde, ungehindert nach Europa zu reisen. Möglich ist damit etwa, über einen deutschen Flughafen nach London zu gelangen. Weder die emiratischen noch die britischen Behörden haben sich bislang zu dem Fall geäußert; das Innenministerium in London teilte lediglich mit, man äußere sich generell nicht zu einzelnen Asyl-Anträgen, in Abu Dhabi hieß es, man äußere sich nicht zu Gerüchten über das Privatleben der Familie.

Der Emir indes dichtete im Duktus der am Golf traditionellen Nabati-Lyrik der Beduinen: "Wir haben ein Leiden, das keine Medizin heilen kann/Kein Kräuterheiler weiß Abhilfe dafür." Alle seine Gedichte beruhten auf persönlicher Erfahrung, führt er auf seiner Internetseite aus. "Nie habe ich einen Vers geschrieben, der nicht eine Realität in meinem Leben ist."

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