Havariertes Atomkraftwerk Kühlsystem in Fukushima teilweise ausgefallen

Probleme mit der Stromversorgung haben die Kühlung aller Abklingbecken in Fukushima-Daiichi ausfallen lassen. Deshalb steht zwar nicht gleich der nächste Super-GAU bevor - doch der Vorfall belegt, dass die Situation noch immer nicht unter Kontrolle ist.

Ein zeitweiliger Stromausfall in Fukushima-Daiichi zeigt, dass die zerstörte Atomanlage noch nicht so "unter Kontrolle" ist, wie es die japanische Regierung in der Vergangenheit betonte: Wegen Problemen mit der Stromversorgung war die Einspeisung von Kühlwasser in die vier Abklingbecken mit gebrauchten Brennstäben seit Montagnacht unterbrochen. Vorübergehend war sogar das Kontrollzentrum des Kernkraftwerks ohne Strom. Die Ursache für den Vorfall ist noch immer unklar.

Bei dem Super-GAU in dem Atomkraftwerk vor etwas mehr als zwei Jahren war das eigentliche Kühlsystem zerstört worden. Seitdem müssen sowohl die Brennstäbe in den Abkühlbecken der Anlage als auch die zerstörten Reaktorkerne mit den geschmolzenen Brennstäben in den Reaktoren 1, 2 und 3 mit Wasser von außen gekühlt werden - sonst drohen erneut Kettenreaktionen.

Für Menschen und Umwelt bestünde jedoch keine akute Gefahr, erklärte der Betreiber der Anlage, die Tokyo Electric Power Company (Tepco), umgehend. Inzwischen konnte die Behelfskühlung der Abklingbecken der Reaktorblöcke 1 und 4 wieder in Gang gesetzt werden. Auch das Kühlsystem des Reaktors 2 soll bald wieder funktionieren. Lediglich für Reaktor 2 brauchen die Fachleute offenbar noch Zeit bis morgen.

Messungen in den Abklingbecken hätten Temperaturen zwischen etwa 16 und 30 Grad Celsius ergeben. Gefährlich wird es nach Einschätzung von Experten ab einer Temperatur von 65 Grad. Bis diese Hitze im derzeit wärmsten Abklingbecken bei Block 4 erreicht würde, würden ohne neues Kühlwasser etwa vier Tage vergehen, hieß es.

Japanische Medien berichteten unter Berufung auf Tepco, dass die Kühlung der zerstörten Reaktorkerne selbst nicht beeinträchtigt sei. Der Vorfall belegt aber einmal mehr: Die Maßnahmen, mit denen die Anlage nach dem Super-GAU aufgrund des Erdbebens und des Tsunamis 2011 gesichert wurden, sind noch immer nur provisorisch.

Abklingbecken unter freiem Himmel

Derzeit müssen noch immer Hunderttausende Liter Wasser täglich in die drei zerstörten Reaktorblöcke und die vier Abklingbecken gepumpt werden, um die Temperatur niedrig zu halten. Die Räume in den Reaktoren werden gewissermaßen mit Kühlwasser geflutet. Das danach radioaktiv verseuchte, warme Wasser wird dann in große Tanks gepumpt.

Tausende Arbeiter sind damit beschäftigt, die zerstörten Reaktorblöcke von Fukushima-Daiichi zu sichern und abzubauen. Vorfälle wie der aktuelle Ausfall des Kühlsystems für die Abklingbecken zeigen, wie gefährlich die Arbeit noch ist.

(Foto: AP/dpa)

Große Sorge bereitet den Fachleuten der Inhalt der Abklingbecken, in denen die gebrauchten, heißen Brennstäbe abkühlen sollen, bevor sie in ein Lager transportiert werden können. Die Becken sind im Vergleich zu den Reaktorblöcken nur wenig von der Umwelt abgeschottet. Das Becken bei Block 4 enthält besonders viele Brennstäbe und liegt nach der Explosion des Reaktorgebäudes unter freiem Himmel. Im schlimmsten Fall könnten radioaktives Material und Strahlung von hier aus direkt in die Umwelt gelangen. Derzeit errichtet Tepco ein Gebäude mit Abklingbecken, in das die Brennelemente aus Becken 4 umgelagert werden sollen.

Bis die vier zerstörten Reaktorblöcke und die Abklingbecken abgebaut und das radioaktive Material gesichert sind, werden vermutlich noch 30 bis 40 Jahre vergehen. Jahre, in denen es erneut zu Erdbeben und Tsunamis kommen kann. Dabei ist zurzeit noch nicht einmal klar, wie es im Inneren der drei Sicherheitsbehälter aussieht, in denen die Reaktorkerne geschmolzen sind.