Harry Belafonte wird 95:Singender Aktivist

Harry Belafonte traf mit seinen karibischen Wohlfühl-Songs einen Nerv. Doch der US-Amerikaner sieht sich vor allem als singender Aktivist. Heute feiert der "King of Calypso" seinen 95. Geburtstag.

Von Violetta Simon

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Sänger Harry Belafonte wird 95 Jahre

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"Daaaay-Ooo"! - mit diesen zwei langgezogenen Silben begann die Karriere des US-amerikanischen Sängers Harry Belafonte, der am 1. März 1927 als Harold George Bellanfanti Jr. im New Yorker Viertel Harlem geboren wurde.

Durch einen Zufall bekommt er, der in den Fünfzigerjahren als Laufbursche gearbeitet und weder Noten lesen noch Singen gelernt hat, einen Auftritt als Pausennummer im Jazzclub "Royal Roost". Dort begleiten ihn spontan die vier Jazzgrößen Al Haig, Tommy Potter, Max Roach und Charlie Parker. "Ich konnte es nicht glauben", sagt er später.

Oct 10 1956 Harry Belafonte s first Television Special In Europe The King of Calypso Harry Bela

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1935 ging seine Mutter zunächst mit ihm und den beiden älteren Brüdern in deren Heimatland Jamaika und kehrte 1939 nach New York zurück. Sie war es, die ihm die Liebe zum Jazz vermittelte und dafür sorgte, dass er bereits als Siebenjähriger im "Apollo Theater" Jazzgrößen wie Count Basie, Duke Ellington, Billie Holliday oder Ella Fitzgerald hören konnte.

BELLAFONTE 06

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Die karibischen Rhythmen des "Banana Boat"-Songs trafen offenbar einen Nerv beim Publikum. Das 1956 veröffentlichte Album "Calypso" war die erste Schallplatte, die sich mehr als eine Million Mal verkaufte - der Rekord wurde erst 1982 von Michael Jacksons Album "Thriller" abgelöst. Weiter ging es mit Hits wie "Matilda" und "Island in the Sun", außerdem folgten Angebote für Film- und Fernsehrollen. In den Sechzigerjahren zählte der US-amerikanische Sänger zu den bekanntesten schwarzen Künstlern.

Harry Belafonte

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Für den Sohn eines Matrosen aus Martinique und einer jamaikanischen Hilfsarbeiterin, der in einem New Yorker Ghetto aufwuchs, gehörte Rassentrennung zum Alltag. Die Wut in ihm befeuerte seine Motivation, sich für die amerikanische Bürgerrechtsbewegung zu engagieren. Äußerst hilfreich war dabei Belafontes freundschaftliche Verbindung zu Martin Luther King, schon bald wurde er zu einem wichtigen Vermittler hinter den Kulissen und Unterstützer im Wahlkampf für Kennedy. Auch in seiner Rolle als erfolgreicher Sänger nutzte Belafonte seine Popularität, um sich etwa gemeinsam mit der Sängerin Miriam Makeba ("Pata-Pata"), einer Ikone der afrikanischen Musik, gegen die Apartheid in Südafrika einzusetzen.

Sänger Harry Belafonte wird 95 Jahre

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Hinter den unverfänglich-heiteren Melodien verbarg der "King of Calypso" seine gesellschaftspolitische Kritik. "So haben meine Vorfahren eben ihren Protest verpackt. Schwarze Kunst war immer verschlüsselt", hat Belafonte in einem Interview gesagt. Die Rap- und Hip-Hop-Kultur, die von der unterprivilegierten schwarzen Jugend begründet wurde, hält er für eine der wichtigsten musikalischen Ausdrucksformen des 21. Jahrhunderts - jedenfalls, bevor ihr Inhalt durch die Musikindustrie korrumpiert wurde.

Robinson Belafonte

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Abseits seiner Musik wurde Belafonte deutlicher, wie etwa 1958, als der damals 31-Jährige am Lincoln Memorial in Washington sprach. Als politisch engagierter Bürgerrechtler übte er offen Kritik an Präsidenten wie George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump, deren moralische Gesinnung er anzweifelte. Aber auch Musikkollegen warf er vor, sich zu wenig um "gesellschaftlichen Pflichten" zu kümmern. 2016 produzierte er einen Video-Clip mit, der die ungerechte Behandlung von Schwarzen durch die US-Polizei anprangert. Zuletzt unterstützte er im Präsidentenwahlkampf die US-Demokraten und warb für Bernie Sanders als Kandidaten, weil dieser "die Wahrheit sagt, was in der Politik eine Seltenheit geworden ist".

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Als Vorsitzender einer Menschenrechtsorganisation trat er ein für soziale Belange, wie etwa in Venezuela, wo er sich mit dem damaligen Präsidenten Hugo Chavez traf. 1985 trat er als Friedensaktivist mit Udo Lindenberg in Ost-Berlin auf, und er initiierte das Schallplattenprojekt "We are the world" mit. "Ich bin kein Künstler, der Aktivist geworden ist. Ich bin ein Aktivist, der Künstler geworden ist", pflegte der Sänger, der 2013 von Amnesty International zum "Botschafter des Gewissens" ernannt wurde, zu sagen.

FILE PHOTO: Harry Belafonte Turns 85

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Belafonte hat vier Kinder von zwei Frauen. Seine erste Ehe mit der Psychologin Marguerite Byrd scheiterte ebenso wie die zweite Ehe mit der Tänzerin und Schauspielerin Julie Robynson (im Bild mit Sohn David, 1958). Seit 2008 ist er mit der Fotografin Pamela Frank verheiratet.

Harry Belafonte wird 80

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In seiner 2012 erschienenen Autobiografie "My Song" beschreibt er sich nicht nur als politischen Aktivisten, er erzählt auch von seinen dunklen Seiten - seiner Spielsucht und Untreue. Belafontes Kindheit war geprägten von Armut und Gewalt. Seine Mutter arbeitete als Dienstmädchen und Köchin, sein Vater, ein Schiffskoch, war oft betrunken. So lebte er hin und wieder bei seiner Großmutter, aber auch in verschiedenen Pflegefamilien.

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Als Schauspieler wirkte er in den Fünfzigerjahren in dem Low-Budget-Film "Bright Road" oder dem Musikfilm "Carmen Jones" mit, doch lieber wäre er der "erste schwarze Hamlet" geworden, wie er einmal in einem Interview sagte. Am 1. März wird Harry Belafonte 95. Unter dem Titel "HB95" wollen sich am heutigen Dienstag Stars wie John Legend, Laurence Fishburne, Danny Glover, Lenny Kravitz, Michael Moore und Tim Robbins versammeln, um seinen Geburtstag vor Zuschauern in New York zu feiern.

UNICEF-Pk mit Belafonte

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Belafonte, der auch als UNICEF-Botschafter Kinder in Krisengebieten unterstützt, und 2011 mit dem Ehrenpreis der Organisation ausgezeichnet wurde, freut sich auf den Abend: "Ich fühle mich geehrt, dass so viele Menschen zusammenkommen, um meinen Geburtstag, mein Leben und mein Vermächtnis zu feiern", sagte er. Bei der Feier in New York sollen Spenden gesammelt werden für die von Belafonte gegründete Organisation Sankofa, die inzwischen seine Tochter Gina leitet und die Künstler zum gemeinsamen Kampf für Gleichberechtigung zusammenbringen will.

© SZ/dpa/lot
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