Spanien hat dem Kreuzfahrtschiff Hondius, auf dem das Hantavirus ausgebrochen ist, das Anlaufen eines Hafens auf den Kanarischen Inseln erlaubt. Diese Entscheidung sei in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien getroffen worden, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid mit. Das betroffene kleine Kreuzfahrtschiff mit insgesamt knapp 150 Menschen an Bord war vom Süden Argentiniens aufgebrochen und ankert derzeit vor Kap Verde.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) untersuche das Schiff eingehend, um festzustellen, welche Personen dringend von Kap Verde aus vom Schiff gebracht werden müssten, teilte das Ministerium weiter mit. Am Dienstag ging das niederländische Außenministerium von drei Erkrankten aus, die „so schnell wie möglich“ ausgeflogen werden müssen. Zwei davon gehören zur Crew, außerdem ist ein Passagier betroffen. Die Niederlande sind federführend bei der Evakuierung, da das Schiff unter niederländischer Flagge fährt. Die übrigen Passagiere werden mit dem Kreuzfahrtschiff demnach zu den Kanarischen Inseln fahren, wo sie voraussichtlich innerhalb von drei bis vier Tagen eintreffen werden.
Der Regierungschef der Kanaren, Fernando Clavijo, scheint allerdings noch nicht überzeugt. In einem Interview mit dem Radiosender Onda Cero kündigte Clavijo an, dem Schiff das Anlegen verweigern zu wollen. Er verstehe den Grund für die Entscheidung nicht und habe nicht genug Informationen erhalten. Er habe um ein dringendes Treffen mit Premierminister Pedro Sánchez gebeten.
Schiffsarzt befindet sich in kritischem Zustand
Der WHO zufolge könne Kap Verde – ein kleiner Inselstaat vor Westafrika – diesen Einsatz nicht selbst vornehmen, betonte das spanische Ministerium. Die Kanarischen Inseln seien deshalb der nächstgelegene Ort mit den notwendigen Kapazitäten. Spanien habe eine moralische und rechtliche Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen; darunter seien auch mehrere spanische Staatsbürger. Deshalb habe die Regierung in Madrid zugestimmt, dass der Arzt der Hondius, der sich in kritischem Zustand befinde, noch in den kommenden Stunden mit einem Lazarettflugzeug auf die Kanarischen Inseln geflogen werde, teilte das Gesundheitsministerium weiter mit. Der genaue Hafen auf den Kanaren, den das Kreuzfahrtschiff anlaufen werde, stehe noch nicht fest.
Bislang sind drei Passagiere der Hondius gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus. Die Organisation vermutet, dass die Infektionskette von dem mittlerweile verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.

