Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff Hondius ist nun auch eine französische Passagierin positiv auf den Erreger getestet worden. Ihr Zustand verschlechtere sich, sagte die französische Gesundheitsministerin Stéphanie Rist dem Radiosender France Inter.
Die Frau gehöre zu einer Gruppe von fünf Franzosen, die sich an Bord des Kreuzfahrtschiffs befunden hätten. Die vier weiteren Passagiere seien negativ getestet worden, würden jedoch erneut untersucht. Zuvor hatte das US-Gesundheitsministerium bekannt gegeben, dass einer der 17 in die USA zurückgekehrten Amerikaner positiv auf das Virus getestet worden sei.
Seit dem Ausbruch des Virus sind bislang acht Menschen erkrankt, sieben davon nachweislich an dem Hantavirus. Unter den drei Todesopfern befand sich auch eine Deutsche. Die WHO empfiehlt für die von Bord geholten Passagiere eine Quarantäne von 42 Tagen.
Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs nähert sich dem Ende
Die Evakuierung des vor der spanischen Kanaren-Insel Teneriffa liegenden Schiffes steht unterdessen vor dem Abschluss. Die französischen Staatsbürger waren bereits am Sonntag in ihre Heimat ausgeflogen worden. Am heutigen Nachmittag sollten die beiden letzten Evakuierungsflüge in Richtung Australien und in die Niederlande starten. Eine Restbesatzung von rund 30 Seeleuten solle für die Weiterfahrt nach Rotterdam an Bord bleiben. Dort soll das Schiff desinfiziert werden.
Ankunft der deutschen Passagiere in Frankfurt bestätigt
Die vier in die Niederlande ausgeflogenen deutschen Passagiere sind am späten Sonntagabend von Eindhoven nach Deutschland gebracht worden. Ein Sprecher der Uniklinik Frankfurt am Main bestätigte die Ankunft des sogenannten Sonderisoliertransports. Dort sollen die Passagiere zunächst weiter untersucht und beobachtet und im Tagesverlauf in ihre jeweiligen Heimatbundesländer gebracht werden. „Den untersuchten Personen geht es gut“, sagte Timo Wolf, Leiter der Sonderisolierstation für hochpathogene Infektionserreger, laut Mitteilung.
Zu erwarten sei, dass sie an ihren Wohnorten in häusliche Quarantäne kommen, teilte das Ministerium mit. „Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht.“ Über die konkreten Maßnahmen entscheiden die jeweils zuständigen Gesundheitsämter. Die vier Betroffenen stammen dem Bundesgesundheitsministerium zufolge aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen.
Tägliche Kontrollen während der Quarantäne
Die Kontaktperson aus Baden-Württemberg soll noch am Montag in ihre Heimat transportiert werden und dort in häusliche Quarantäne kommen. „Für die Bevölkerung in Baden-Württemberg besteht nach aktueller Bewertung kein Anlass zu besonderen Maßnahmen“, sagte ein Sprecher des Sozial- und Gesundheitsministeriums in Stuttgart. Die Quarantäne sei vom zuständigen Gesundheitsamt angeordnet worden und werde eng begleitet. Der Gesundheitszustand werde während der Zeit regelmäßig überwacht – dazu gehöre ein tägliches Symptommonitoring. Bei Krankheitszeichen würden sofort weitere medizinische Schritte eingeleitet.
Auch die Kontaktperson aus Berlin kommt entgegen der ursprünglichen Planung nicht in die Charité, sondern in häusliche Isolation, teilte die Berliner Gesundheitsverwaltung mit. Die Person sei symptomfrei, ein Krankenhausaufenthalt daher nicht nötig.
Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit kann es bei diesem Erreger Experten zufolge bis zu 45 Tage dauern. Falls eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit.
RKI sieht keine Gefahr für die Bevölkerung
Zugleich bemühte sich der Chef des Robert-Koch-Instituts, mögliche Sorgen in der Bevölkerung zu zerstreuen. Er sieht keine Gefahr für die Allgemeinheit. Das Virus könne Menschen sehr krank machen, sagte Lars Schaade am Sonntagabend im ZDF-„Heute-Journal“. „Aber die gute Nachricht ist eigentlich, das ist kein Virus, das sich verbreitet. Und insofern kann ich, glaube ich, sagen: Ich sehe eigentlich keine Gefährdung für die Bevölkerung in Deutschland und auch keine Pandemie-Gefahr.“
Mit Blick auf den dieser Tage oft gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Schaade: „Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar.“ Man kenne das Virus schon sehr lange und könne es deshalb sehr gut einschätzen. Das Coronavirus sei damals ein neues Virus mit spezifischen Eigenschaften gewesen. „Hier haben wir ein Virus, das wir seit 31 Jahren kennen.“ Schaade sprach von sicherlich einigen Tausend Fällen seit der Entdeckung 1995. „Und immer ist es gelungen, die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen.“
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, die vier betroffenen deutschen Passagiere stammen aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein. Richtig ist: Die vier Betroffenen stammen aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen – das Bundesgesundheitsministerium hat seine Angaben korrigiert. Wir haben den Text aktualisiert.


