HamburgHamburger Studie zu Vorurteilen und Rassismus bei Polizisten

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Vor dem Hintergrund der Debatte um eine Rassismusstudie bei der Polizei will die Hamburger Polizei-Akademie Vorurteile und Radikalisierungsmechanismen bei...

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Hamburg (dpa/lno) - Vor dem Hintergrund der Debatte um eine Rassismusstudie bei der Polizei will die Hamburger Polizei-Akademie Vorurteile und Radikalisierungsmechanismen bei Polizisten untersuchen. „Wir wollen ermitteln, welche Risikofaktoren bei der Hamburger Polizei die Entstehung von Vorurteilen und radikalen Einstellungen begünstigen“, sagte Akademie-Leiter Thomas Model dem „Hamburger Abendblatt“ (Montag). So könne möglicherweise tägliche Routine mit immer gleicher Klientel, gleichen Brennpunkten und gleichen Problemlagen die Entstehung von Vorurteilen und rassistischem Denken begünstigen. „Genau das wollen wir ja erforschen und damit die Probleme unserer Polizisten besser verstehen.“

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) lehnt eine auf die Polizei beschränkte Studie zu Rassismus und Rechtsextremismus auch nach den zuletzt bekanntgewordenen Vorfällen bei der Polizei in Essen ab - ebenso die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Hamburg.

In der Innenbehörde der Hansestadt wird darauf verwiesen, dass es sich um ein Forschungsprojekt der Polizei-Akademie handele, das aber unterstützt werde, weil es sich „ja eben gerade nicht allein auf Rassismus oder Racial Profiling in der Polizei verengt“, wie ein Behördensprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte. Ziel sei es, „aktuelle und empirisch belastbare Erkenntnisse zum Ausmaß von werte- und vorurteilsbezogenen Einstellungen sowie ihren Schutz- und Risikofaktoren bei Auszubildenden, Studierenden und Beamtinnen und Beamten der Polizei Hamburg“ zu erhalten. „Gerade auch vor dem Hintergrund der Ereignisse in NRW erscheint uns eine breit angelegte Studie umso wichtiger“, sagte er.

„Die GdP unterstützt eine Belastungsstudie und lehnt eine Rassismus-Studie ab“, teilte die Gewerkschaft mit. „Wir wollen als Kolleginnen und Kollegen und als Gewerkschaft wissen, wie sich Denken und Handeln verändern, wenn Polizeibeschäftigte Tag und Nacht wiederkehrende Erfahrungen mit bestimmten Bevölkerungsgruppen, Kriminalitätsfeldern und auch mit Justizabläufen machen.“

Die Hamburger Studie, bei der mindestens 3000 Beamte im operativen Dienst sowie Führungspersonal befragt werden sollen, solle helfen, die Dynamik von Vorurteilen und Radikalisierungen zu erkennen, sagte Model. „Gibt es für die Polizei typische Trigger, wie sieht es im Vergleich dazu in anderen Berufsgruppen aus?“ Es gehe darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, „dass unsere Beamten den Mund aufmachen, wenn sich ein Kollege beispielsweise rassistisch äußert. Wir brauchen Mut, Rückhalt aus der Führung und dadurch mehr Haltung - und nicht mehr Korpsgeist“, sagte er.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Vorfälle wie bei der Polizei in Essen könne nicht von Einzelfällen gesprochen werden. Von einem strukturellen Problem wollte Model aber auch nicht sprechen, „sondern eher von einem Problem, richtig mit diesem Thema umzugehen“.

Die Befragungen zur Studie, bei der die Akademie der Polizei mit Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen kooperiere, solle im Oktober beginnen. „Die Teilnahme an der Studie, die auf mehrere Jahre angelegt ist, ist natürlich freiwillig und anonym“, sagte Model.

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