Hamburg: Findelkind entdeckt Der Säugling aus dem Koffer

Bei klirrender Kälte findet ein Pförtner einen Koffer vor dem Hamburger Kongresszentrum. Als er das blaue Gepäckstück öffnet, macht er eine schockierende Entdeckung: ein wimmerndes Baby.

Es gibt Verbrechen, die lassen einen sprachlos zurück: In der Hamburger Innenstadt wurde am Dienstagabend vor einem Kongresszentrum ein Koffer entdeckt. In dem geschlossenen Gepäckstück lag ein wimmerndes Neugeborenes.

In diesem Koffer, der vor einem Kongresszentrum in der Hamburger Innenstadt platziert war, wurde am Dienstagabend ein Neugeborenes entdeckt.

(Foto: dpa)

Das etwa einen Tag alte Mädchen schwebe nicht in Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher. Mit 2200 Gramm und 45 Zentimetern Körpergröße sei es lediglich ein wenig untergewichtig und müsse deshalb noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben. Die Polizei geht davon aus, dass es ausgesetzt wurde und fahndet nach der Mutter.

Nicht mit professioneller Hilfe entbunden

Ein Passant wies den Pförtner des Hamburger Kongresszentrums CCH am Dienstagabend auf das herrenlose Gepäckstück hin. Der Angestellte habe das Gepäckstück, das vor dem Eingang platziert war, ins Gebäude geholt. "Dann hörte er ein Wimmern aus dem Inneren des Koffers", sagte der Sprecher. Der Pförtner habe sofort nachgeschaut. Die Kleine habe mit einigen Kleidungsteilen in dem Koffer gelegen. Ob sie angezogen war oder ob die Textilien nur neben ihr lagen, war zunächst unklar.

Wie der Sprecher weiter berichtete, sei das Baby nicht mit professioneller Hilfe entbunden worden. Darauf deute die laienhaft entfernte Nabelschnur hin. Das Findelkind werde nun in einer Klinik versorgt. Die Polizei nahm noch in der Nacht die Ermittlungen auf.

Hamburg ist die erste Stadt Deutschlands mit einer sogenannten Babyklappe - einer Art Schublade, in der Kinder unerkannt weggegeben werden können. Die Einrichtung im Stadtteil Altona gibt es seit knapp elf Jahren, inzwischen sind in der Hansestadt und an vielen anderen Orten Deutschlands weitere Babyklappen hinzugekommen.

Mütter in Not haben auch die Möglichkeit, ihr Kind anonym zur Welt zu bringen. Dabei erhalten sie ärztliche Hilfe und die Zusicherung, ihre Identität geheimhalten zu dürfen. Die Kinder werden später zur Adoption freigegeben. Sowohl die Möglichkeit der Babyklappe als auch die der anonymen Geburt sind seit Jahren umstritten.

Einen Namen hat man sich für das Hamburger Findelkind bereits ausgedacht: Das Mädchen heißt ab heute "Marie".