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Braunkohletagebau:Polizeiaktion im Hambacher Forst

Hambacher Forst

Polizisten räumen seit dem Dienstagmorgen Barrikaden im Hambacher Forst weg.

(Foto: dpa)

Aktivisten bauen in dem Wald seit 2012 Baumhäuser, um gegen die Abholzung zugunsten eines Tagebaus zu demonstrieren. Jetzt räumt die Polizei dort nach eigenen Angaben Barrikaden beiseite.

Die Polizei hat am Dienstag einen Einsatz im Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen begonnen. Es gehe dabei nicht um die Räumung von Baumhäusern, sondern von Barrikaden, die die Einsatzwege versperrten, sagte ein Polizeisprecher.

Im Herbst 2018 hatte die umstrittene Räumung des Hambacher Forsts zu einem der größten Polizeieinsätze Nordrhein-Westfalens geführt. Waldbesetzer hatten dort Baumhäuser gebaut, um sich gegen die Abholzung des Waldes zugunsten des Tagebaus Hambach zu wehren. 86 Baumhäuser wurden damals geräumt und zerstört. Innenminister Herbert Reul (CDU) argumentierte, es dürften keine rechtsfreien Räume zugelassen werden, auch nicht im Hambacher Forst mit den illegal errichteten Bauten.

Seit knapp zwei Wochen bauen die Besetzer in dem Wald wieder an ihren Baumhäusern. Die Zahl der Bauten und Konstruktionen am Boden und in den Bäumen ist nach Polizeiangaben mittlerweile auf knapp 100 gestiegen. Demnach gibt es einfache Konstruktionen aus Paletten und Planen. Es gebe aber auch zum Teil mehrstöckige Hütten, die massiv ausgebaut wurden. Vereinzelt seien das richtige Häuser mit Fenstern, Dächern und Solartechnik, sagte ein Polizeisprecher. Auch die Verbindungen zwischen den Baumhäusern seien mit Seilen noch mal verbessert worden.

Die Zahl der Waldbesetzer bewege sich stark schwankend um die hundert. Sie kämen aus einem breiteren politischen Spektrum, unter anderem aus der anarchistischen und aus der Umweltszene.

NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) sagte zu der Bautätigkeit in dem Wald, per kommunaler Allgemeinverfügung sei es verboten, in dem Waldgebiet neue bauliche Anlagen - etwa Baumhäuser, Plattformen, Zelte oder Barrikaden - zu errichten. Das sei für jeden bindend.

Der Wald am Tagebau Hambach zwischen Köln und Aachen sollte ursprünglich für den fortschreitenden Braunkohletagebau abgeholzt werden. In der breiten gesellschaftlichen Auseinandersetzung darum wurde der Wald zum Sinnbild für den Konflikt um den Kohleausstieg in Deutschland. Nach der Bund-Länder-Einigung zum Kohleausstieg soll der Wald jetzt erhalten bleiben.

© SZ/dpa/lot/cck
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Der Hambacher Forst muss nun doch nicht den Baggern des Tagebaus weichen. Doch viele Waldbesetzer trauen der Vereinbarung nicht - und in den Nachbarorten gibt es zwar neue Gewinner, aber auch Verlierer.

Von Christian Wernicke

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