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Haltern am See:Merkel besucht Hinterbliebene der Germanwings-Opfer

  • Gut ein halbes Jahr nach dem Absturz der Germanwings-Maschine ist Angela Merkel nach Haltern am See gefahren.
  • Vor Ort besuchte die Kanzlerin das Gymnasium, das bei dem Unglück 16 Schüler und zwei Lehrerinnen verlor. Angehörige und Mitschüler der Verstorbenen waren eingeladen.

Merkel besucht Schüler in Haltern

Sieben Monate nach der Germanwings-Katastrophe in Frankreich ist Angela Merkel zu einem Gespräch mit Hinterbliebenen nach Haltern gereist. Sie hat sich mit Schülern, Kollegen und Angehörigen in dem Gymnasium getroffen, das um 16 Schüler und zwei Lehrerinnen trauert. Die Bundeskanzlerin löst damit ein Versprechen ein, das sie den Familien nach dem Flugzeugabsturz im April bei einer Trauerfeier in Köln gegeben hatte.

Etwa 90 Minuten waren für den Besuch der Kanzlerin im Joseph-König-Gymnasium eingeplant. Merkel sprach mit Schülern und anderen Hinterbliebenen, trug sich außerdem in das Kondolenzbuch der Schule ein. All das geschah hinter verschlossenen Türen.

Anschließend richtete sie auf dem Schulhof, wo inzwischen eine stählerne Gedenktafel an die Toten erinnert, einige Worte an alle Schüler.

Die Frage nach dem Warum könne noch immer niemand beantworten, sagte Merkel. Sie sei aber beeindruckt davon, mit wie viel Liebe und Mitgefühl Schüler, Eltern und Lehrer versuchten, "mit diesem schrecklichen Ereignis umzugehen und damit fertig zu werden". Haltern sei ein Beispiel dafür geworden, "wie man in einer solch fürchterlich traurigen Situation trotzdem Gemeinschaft zeigen kann".

Am 24. März 2015 war Flug 4U9525 in den französischen Alpen zerschellt. Der Co-Pilot hat die Maschine nach Überzeugung der Ermittler absichtlich auf Crashkurs gesteuert. Zu den 150 Toten gehörte auch die Gruppe aus Haltern, die zu einem Schüleraustausch in Spanien war.

Geplante Wanderung zur Absturzstelle

Zum Jahrestag des Absturzes im kommenden Frühjahr plant eine Gruppe von Schüler und Lehrern, nach Frankreich zu reisen und die Absturzstelle zu besuchen. "Diese Schülerinnen und Schüler haben teilweise die besten Freunde verloren", sagte Schulleiter Ulrich Wessel am Rande des Besuchs von Merkel. Geplant seien zwei Übernachtungen in den französischen Alpen und eine Wanderung zu dem hochalpinen Unglücksort.

Wessel glaubt, dass seinen Schülern eine solche Gedenkfahrt bei der Trauerarbeit helfen könne. So gebe es auf dem Dorffriedhof von Le Vernet - jenem Ort, der am nächsten an der Unglücksstelle liegt - eine Stelle, an der 3000 nicht identifizierbare Leichenteile beerdigt seien. "Ich glaube, es ist für die Schüler hilfreich, das zu sehen und auch einen Blick auf die Absturzstelle zu werfen", so der Schulleiter des Joseph-König-Gymnasiums.

© dpa/epd/olkl/tamo

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