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Halloween:Otfried Preußler machte die Hexe zur freundlichen Figur

Nicht ganz unschuldig daran ist der Autor Otfried Preußler: In seinem erstmals 1957 veröffentlichten Kinderbuchklassiker "Die kleine Hexe" dreht sich alles um eine 127 Jahre alte Jung-Zauberin, die völlig aus der Art schlägt, weil sie ausgesprochen freundlich und hilfsbereit zu Menschen und Tieren ist. Dass die Geschichte gerade jetzt mit der elfenhaften Karoline Herfurth in der Hauptrolle für einen großen Kinofilm noch einmal neu erzählt wird, kommt nicht von ungefähr. In immer neuen Filmversionen lebt das Märchen von der Hexe weiter, mal als Fantasyfilm "Hänsel und Gretel - Hexenjäger", mal als Teenager-Serie "Emma, einfach magisch", mal als Historiendrama "The Witch".

Ist die Ästhetisierung des Hässlichen damit abgeschlossen, die Hexe endgültig gezähmt? Na ja, nicht ganz. Gelegentlich schimmern uralte Muster durch. Das Bild der wollüstigen Verführerin hält sich bis heute in der Literatur, in der Kunst, auch in der Werbung. "Départ pour le Sabbat" heißt das berühmte Bild des französischen Malers Albert Joseph Pénot, das heute noch als Motiv für Retro-Zigarettenetuis dient. Die schöne Nackte, die mit wallendem Haar vor dramatischer Wolkenkulisse auf ihrem Besen reitet, hatte es schon vor hundert Jahren den Zeitgenossen angetan: Hex sells.

Dämonisch wie Cher, Susan Sarandon und Michelle Pfeiffer

Dieser Trend hält bis heute an. Klar, dass auch das Model Cara Delevingne nicht zurückstehen will: In der Comic-Verfilmung "Suicide Squad" spielt die Britin eine Hexe namens "Enchantress", die nicht nur aus der Zeit, sondern auch tief in den Schminktopf gefallen ist.

Selten waren sie aber so frivol, so eifersüchtig und zugleich so außer sich vor Leidenschaft wie im Film "Die Hexen von Eastwick" nach dem Roman des amerikanischen Schriftstellers John Updike. Die Großschauspielerinnen Cher, Susan Sarandon und Michelle Pfeiffer bilden hier ein teuflisch gutes Trio; in ihrer Kleinstadt-Tristesse verzehren sie sich nach dem idealen Mann. Der kommt dann auch, in Gestalt des Hexenmeisters Jack Nicholson, der im Film ein paar hinreißend verdrehte Momente hat und sich, ausgestreckt auf dem Lotterbett, mit den Worten präsentiert: "I'm just your average horny litte devil."

Wenn der Dämon dermaßen dreist daherkommt und auch noch so grinst wie Jack Nicholson, hat man meist schon verloren. Für die aktuelle Halloween-Party sind solche Sprüche allerdings eher ungeeignet. Hex, hex: Dieser Befehl wirkt nur, wenn man auch über magische Fähigkeiten verfügt.