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Halle:Selbsternannter "König von Deutschland" weint vor Gericht

'König von Deutschland' vor Gericht

Muss sich wegen Untreue verantworten: Peter Fitzek.

(Foto: dpa)

Peter Fitzek aus Wittenberg wird der Bewegung der "Reichsbürger" zugerechnet. Mit seiner "königlichen Reichsbank" soll er 1,3 Millionen Euro veruntreut haben.

Auf Youtube kann man sehen, wie aus dem gelernten Koch Peter Fitzek aus Wittenberg der "König von Deutschland" wird. Mehr als 20 Minuten dauert die bizarr anmutende Krönungszeremonie. Am Ende trägt Fitzek einen roten Königsmantel, der an Karneval erinnert, und erklärt: "Das neue Deutschland führt als Staat die Bezeichnung Königreich Deutschland." Das Video wurde 2012 veröffentlicht.

Von diesem Donnerstag an steht der selbsternannte Monarch nun wegen Untreue in 27 Fällen in Halle an der Saale vor Gericht. Es geht um unerlaubte Bankgeschäfte und um 1,3 Millionen Euro, die er veruntreut haben soll. Bis März 2017 sind mehr als 25 Verhandlungstage anberaumt. Es dürfte eine schwierige Verhandlung werden, denn Fitzek und seine Anhänger erkennen den deutschen Rechtsstaat nicht an. Gleich zu Beginn bezeichnet er sich selbst als "Handlanger vom Schöpfer". Er habe neue Strukturen für das Gemeinwohl schaffen, sich aber nicht bereichern wollen. Das Geld sei ihm aufgedrängt worden, sagt Fitzek weinend im Landgericht.

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Auf seiner Website wirbt Fitzek nicht nur für sein Wirtschaftssystem, das angeblich keine Verlierer kennt, sondern auch für den Besuch seiner Verhandlung: "Jetzt hast Du die Möglichkeit dabei zu sein, wenn Peter sich mutig vor Gericht für (...) ein zinsfreies Geldwesen einsetzt", heißt es dort unter der Überschrift #FreePeter. Dazu sind Zeit und Ort der Verhandlung angegeben.

Fitzek wird der Bewegung der "Reichsbürger" zugeordnet - auch wenn er das selbst zurückweist. Er habe "mit solchen Leuten nichts zu tun", sie seien "ewig Gestrige", sagt er vor Gericht. Die "Reichsbürger" sind eine schwer überschaubare Bewegung, die unter anderem durch selbstgebastelte Führerscheine auffällt und die eines eint: Sie erkennt die Bundesrepublik Deutschland nicht an. Stattdessen behaupten die "Reichsbürger", das Deutsche Reich existiere nach wie vor - wahlweise in den Grenzen von 1937 oder auch 1871. Experten gehen von derzeit etwa 3000 Menschen aus, die sich den "Reichsbürgern" zuordnen. Der Verfassungsschutz spricht dabei von einer Mischung aus "Bedeutungssüchtigen, Geschäftemachern, Tricksern, Querulanten, aber auch ernsthaft Überzeugten, psychisch Kranken, Betrogenen, Verzweifelten und Träumern".

Lange galten die "Reichsbürger" als esoterische Spinner. Dass nicht alle so harmlos sind, bewies am Mittwoch ein 49-Jähriger. Im mittelfränkischen Georgensgmünd schoss er zwei Polizisten an, einer von ihnen ist in der vergangenen Nacht gestorben. Es ist nicht der erste Fall dieser Art: In Sachsen-Anhalt mussten im August 200 Polizisten zur Zwangsräumung des imaginären Staates "Ur" ausrücken. Der Staatsgründer, ein ehemaliger Schönheitskönig, verletzte damals einen SEK-Beamten.

Auch Kampfsportler Fitzek ist schon wegen Körperverletzung aktenkundig geworden: 2010 verletzte er eine Mitarbeiterin im Rathaus Wittenberg während eines Streits am Arm. Das dortige Amtsgericht verurteilte ihn daraufhin wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Noch während der Verhandlung versuchten seine Anhänger den Richter "festzunehmen", weil dieser nicht das Recht habe, Fitzek, ein "souveränes Staatsoberhaupt", zu verurteilen.

574 Bankkunden sollen 1,7 Millionen Euro eingezahlt haben

Inzwischen hat sich Fitzek mit seinen Untertanen auf einem ehemaligen Krankenhausgelände in Wittenberg eingerichtet und es zu einiger Berühmtheit gebracht. Das "Königreich Deutschland" verfügt über eigene Ausweise und Führerscheine. Sogar eine eigene "Königliche Reichsbank", die die Währung E-Mark anbietet, gibt es laut Homepage.

Wegen seiner Bankgeschäfte sitzt Fitzek seit Juni in Untersuchungshaft. Obwohl Interviews mit ihm ziemlich schräg anmuten, haben einige Menschen ihm offenbar vertraut. Zwischen 2009 und 2013 sollen 574 Bankkunden auf seine Sparbücher insgesamt etwa 1,7 Millionen Euro eingezahlt haben. Von diesen Einlagen soll der Angeklagte etwa 1,3 Millionen Euro abgehoben und für eigene Zwecke verwendet haben. Wo das Geld ist, konnte bisher nicht geklärt werden.

Weil er in seinem Königreich nicht nur eine Bank, sondern auch eine Krankenversicherung ohne Genehmigung betrieben hat, stand Fitzek bereits 2014 vor Gericht. Damals kam er mit einer Geldstrafe davon. Diesmal könnte es für den selbsternannten König weniger glimpflich ausgehen. Zumal ihn das Landgericht Dessau-Roßlau bereits im April zu 15 Monaten Gefängnis wegen Fahrens ohne Führerschein verurteilt hat.

(Mit Material der Agenturen)

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