Hilfsorganisation Haiti entzieht Oxfam nach Sex-Skandalen Akkreditierung

Haitis Minister für Planung und externe Zusammenarbeit, Aviol Fleurant, untersucht die Vorwürfe gegen Oxfam.

(Foto: REUTERS)
  • Oxfam Großbritannien muss seine Arbeit in Haiti für zwei Monate aussetzen.
  • Zuvor war bekannt geworden, dass Mitarbeiter der Hilfsorganisation bei einem Einsatz in Haiti nach dem Erdbeben 2010 Partys mit Prostituierten gefeiert haben sollen.
  • Die Behörden Haitis untersuchen die Vorfälle nun.

Die Hilfsorganisation Oxfam Großbritannien muss ihre Arbeit in Haiti für zwei Monate aussetzen. In dieser Zeit würden die Behörden des Landes die Vorwürfe untersuchen, teilte die Regierung mit. Mitarbeiter der Hilfsorganisation sollen in Haiti in einem Einsatz nach dem Erdbeben 2010 Orgien mit Prostituierten gefeiert haben. Die Regierung bezeichnete die Vorwürfe als "mutmaßliche Verbrechen", die "eine schwere Verletzung der Würde des haitianischen Volkes" darstellen.

"Diese Fälle von sexuellem Missbrauch und sexueller Ausbeutung wurden von den Verantwortlichen der Organisation nie gemeldet", kritisierte der haitianische Planungsminister Aviol Fleurant im Gespräch mit einem regionalen Radiosender. Es sei ein schwerer Fehler gewesen, dass Oxfam Großbritannien die örtlichen Behörden nicht früher über die Vorfälle informiert habe.

Die Suspendierung der Hilfsorganisation soll zunächst für zwei Monate gelten. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte Oxfam Großbritannien in Haiti zur unerwünschten Organisation erklärt werden, sagte der Planungsminister.

Partys mit Prostituierten auch im Tschad

Der damalige Leiter von Oxfam Großbritannien in Haiti, Roland van Hauwermeiren, gab seinerzeit seinen Posten auf. Gegen ihn wurden keine Disziplinarmaßnahmen eingeleitet. Oxfam entließ nach eigenen Angaben wegen des Skandals vier der beschuldigten Mitarbeiter, andere kamen ihrer Entlassung durch Kündigung zuvor.

Außer den Partys mit Prostituierten in Haiti soll es bei Oxfam Fälle von Vergewaltigungen und versuchten Vergewaltigungen im Südsudan gegeben haben. Vergangene Woche trat die Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence zurück. Die Hilfsorganisation stellte inzwischen einen Aktionsplan vor, um sexuelle Belästigung und Missbrauch zu bekämpfen. Seit dem Bekanntwerden des Skandals verlor Oxfam 7000 regelmäßige Spender.

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