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Haiti:Guantanamo auf Flüchtlingsansturm vorbereitet

Kritik an der Entsendung von US-Soldaten kam aus Venezuela und Bolivien. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez warf der USA vor, in Haiti die Macht übernehmen zu wollen. Die US-Armee habe mit der Einnahme des Flughafens begonnen, erklärte er. Jetzt würden US-Marines bereits im zerstörten Präsidentenpalast sein. Der bolivianische Präsident Evo Morales kritisierte, die US-Soldaten seien in Haiti einmarschiert, ohne dies mit den Vereinten Nationen abzusprechen. Sie würden die Naturkatastrophe benutzten, um Haiti "militärisch zu okkupieren".

Haiti nach dem Erdbeben

Wo der Mob regiert

Indessen bereiten die USA ihren Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba für einen möglichen Ansturm haitianischer Flüchtlinge vor. Auf dem Gelände wurden bereits etwa 100 Zelte für jeweils zehn Personen errichtet, wie Konteradmiral Thomas Copeman sagte. Sollten Überlebende der Erdbebenkatastrophe in Haiti tatsächlich massenweise ihr Land verlassen, stünden mehr als 1.000 weitere Zelte zur Verfügung.

Immer noch Lebende geborgen

Trotz rapide sinkender Chancen suchen mehr als eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben mit bis zu 200.000 Toten tausende Rettungskräfte weiter verzweifelt nach Überlebenden in den Trümmern. Vereinzelt wurden immer noch Menschen lebend geborgen. "Das macht Mut und deshalb werden wir weitermachen. Solange es eine Chance gibt, Menschen zu retten, werden wir sie nutzen", sagte UN-Nothilfekoordinator John Holmes in New York. Insgesamt seien bisher mehr als 120 Überlebende geborgen worden.

So wurde ein Fünfjähriger unverletzt aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses in der Hauptstadt Port-au-Prince geborgen worden. Wie die US-Hilfsorganisation International Medical Corps (IMC) mitteilte, wurde der Junge nach der Rettung am Mittwoch von Helfern der Organisation versorgt. Er habe an Austrocknung gelitten, sei aber sonst unverletzt, sagte eine Sprecherin, Margaret Aguirre.

In der zu mehr als 50 Prozent zerstörten Hafenstadt Jacmel an Haitis Südküste wurde von Helfern aus Kolumbien und Frankreich ein erst 22 Tage altes Baby gerettet, wie die Feuerwehr in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá mitteilte. Zuvor hatte sich die Mutter des Kindes aus den Trümmern befreien können. Sie führte die Helfer zu ihrem eingeschlossenen Kind. Eine ältere Frau wurde in Port-au-Prince aus den Trümmern bei der Kathedrale gezogen.