Haiti Cholera-Epidemie löst Hexenjagd aus

Mindestens zwölf Menschen sind in ländlichen Gebieten Haitis gelyncht worden. Ihre Mörder rechtfertigen die Taten mit dem Kampf gegen schwarze Magie.

Mit Macheten bewaffnete Gruppen haben in ländlichen Gebieten Haitis ein Dutzend Menschen getötet, die sie der Hexerei beschuldigt hätten, teilte Polizeisprecher Frantz Lerebours am Donnerstag mit.

Ein haitianische Frau wartet im November 2009 auf den den Beginn einer Voodoo-Zeremonie: Der Glaube an gute und böse Magie hat nun mehrere Menschenleben in dem von der Cholera heimgesuchten Staat gefordert.

(Foto: REUTERS)

Die Mörder warfen ihren Opfern demnach vor, schwarze Magie angewandt zu haben, um Menschen mit der Cholera-Krankheit zu infizieren. Der erste Fall einer Cholera-Infektion im ländlichen Teil des Landes war vor weniger als sechs Wochen bekannt geworden. Seitdem sind in Haiti mehr als 1.900 Menschen an der Krankheit gestorben, mehr als 84.000 weitere sind infiziert.

Unter der Bevölkerung herrscht noch immer viel Unkenntnis über die genauen Ursachen der Cholera. Vergangene Woche waren in der abgelegenen Region Grand Anse im Südwesten des Landes Gerüchte aufgetaucht, wonach Menschen, die Voodoo praktizieren, ein magisches Puder erzeugt hätten, mit dem die Krankheit verbreitet werden könne.

Die Regierung in der Hauptstadt Port-au-Prince reagierte auf die Morde in den ländlichen Gebieten und erklärte, man könne sich vor Cholera nur schützen, indem man auf eine gute Hygiene achte. "Es gibt weder eine Cholera-Kraft noch einen Cholera-Zombie, noch einen Cholera-Geist", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung der Regierung. Voodoo-Priester seien nicht dazu imstande, die Cholera-Krankheit zu behandeln, heißt es weiter.

In Haiti gibt es viele Voodoo-Anhänger. Die Religion verbindet Elemente afrikanischer Religion mit denen des römisch-katholischen Glaubens. Mit Voodoo verbunden ist auch ein Glaube an gute und böse Magie. Voodoo-Priester sind in ländlichen Gebieten sehr einflussreich.