Großfahndung in Boston Erdrückende Bilderflut

Die Behörden hatten die Bürger dazu aufgerufen, ihnen Bilder und Videos zukommen zu lassen, die Hinweise zu dem Anschlag hätten liefern können. Die Flut an Zusendungen war erdrückend. Edvard Davis von der Polizei in Boston bezeichnete gegenüber der Washington Post die Sichtung und Auswertung des Materials als "fast schon ein Problem", so groß sei die Menge an Material gewesen. US-Reporter berichten von einem FBI-Agenten, der eine einzige Aufnahme 400 Mal analysiert haben soll.

Nach Festnahme des mutmaßlichen Attentäters

Boston feiert seine Polizei

Einen wichtigen Hinweis lieferte jedoch Jeffrey Bauman, ganz analog. Er überlebte den Bombenanschlag schwer verletzt. Doch ihm war ein Mann mit Baseballmütze und einer schwarzen Sporttasche aufgefallen. Noch auf der Intensivstation notierte er auf einen Zettel: "Bag. Saw the guy, looked right at me". Wenig später traten zwei FBI-Beamte an sein Krankenbett. Ihnen erzählte er von einem Mann mit schwarzer Baseballkappe und Sonnenbrille.

Die Behörden filterten das Videomaterial nun nach Männern, die auf die Beschreibung passten - und lenkten auch die Hinweise aus der Öffentlichkeit in diese Richtung. Denn über soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter waren zuvor zahllose Theorien über die Täter und ihre Hintergründe gestreut worden. Diese würden die Ermittlungen eher schwieriger gestalten als erleichtern, so die Ermittler.

"Findet Leute, die schwarze Taschen tragen"

Um die Oberhand über den Verlauf der Fahndung zu behalten, wendet sich das FBI am Donnerstagnachmittag an die Öffentlichkeit und zeigt Bilder der beiden Verdächtigen. Damit wollte das FBI auch die zahllosen Unschuldigen schützen, die im Internet des Attentats verdächtigt werden.

Das Internet bietet viele Plattformen für Hinweise aller Art. Doch sie haben auch das Potenzial, den Raum zum Ort einer digitalen Hexenjagd werden zu lassen. Diesem Vorwurf sah sich jedenfalls der anonyme Moderator eines Forums auf Reddit.com ausgesetzt. Auf der Internetseite waren hunderte User seinem Aufruf gefolgt, Bilder von Leuten zu posten, die schwarze Taschen auf dem Marathon trugen. Schwarmintelligenz sei effizienter, schrieb er auf der Internetseite.

Doch weder die 9000 Polizisten, die die Brüder jagten, noch ein Tipp aus dem Internet hat ihn überführt: David Hennenberry wurde zum Helden, weil er zufällig bemerkte, dass die Abdeckplane seines Bootes verrutscht war. Er verständigte die Polizei, die den geschwächten und verletzten Zarnajew überwältigte.