Großbritannien:Zwei Kinder in England wegen Mordes verurteilt

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Ein Absperrband an einem Tatort in Großbritannien (Symbolfoto). (Foto: Peter Byrne/dpa)

Die beiden Zwölfjährigen hatten im vergangenen November einen 19-Jährigen in Wolverhampton mit einer Machete erstochen. Sie sind zwei der jüngsten verurteilten Mörder in der britischen Justizgeschichte.

In einem aufsehenerregenden Prozess sind am Montag in Großbritannien zwei zwölfjährige Jungen wegen Mordes verurteilt worden. Die Geschworenen am Nottingham Crown Court befanden die Kinder für schuldig, im vergangenen November in einem Park in Wolverhampton bei Birmingham den 19 Jahre alten Shawn Seesahai mit einer Machete erstochen zu haben. Die beiden sind laut einem Bericht des Guardian zwei der jüngsten verurteilten Mörder im Vereinigten Königreich. Aufgrund ihres Alters dürfen ihre Namen nicht genannt werden. Das genaue Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

Die Täter hatten den 19-Jährigen und seinen Begleiter in einem Park in der Stadt Wolverhampton bei Birmingham unvermittelt angegriffen. Während der Freund fliehen konnte, stolperte Seesahai und wurde daraufhin von den Jungen getreten, geschlagen sowie mit der 42,5 Zentimeter langen Machete attackiert. Ein Stich traf ihn ins Herz, er starb noch am Tatort.

Die Angeklagten beschuldigten sich in dem monatelangen Prozess gegenseitig. Einer gab an, das Buschmesser gehöre zwar ihm, aber sein Kamerad habe die Klinge geführt. Laut Zeugenaussagen stach der eine Junge auf Seesahai ein, während der andere den Schädel des Opfers mit Tritten traktierte. Die Zwölfjährigen konnten anhand von Blutspuren eindeutig identifiziert werden und wurden schließlich beide schuldig gesprochen. Das Motiv für die Tat blieb im Prozess unklar. Das Opfer stammte aus Anguilla in der Karibik und war für eine Augenoperation nach Großbritannien gereist.

Laut einem BBC-Bericht wurden nur einmal in der britischen Justizgeschichte noch jüngere Kinder wegen Mordes verurteilt: 1993 hatten zwei Zehnjährige in Liverpool den zwei Jahre alten James Bulger entführt, gequält und mit einem Metallschienenteil an einer Zugstrecke erschlagen. Der Fall erzeugte damals so viel Aufruhr, dass die Polizei die Täter vor der Öffentlichkeit beschützen musste. Sie wurden zu einer „Haftstrafe auf unbestimmte Zeit“ in einer Jugendstrafanstalt verurteilt, außerdem entschied das Gericht, ihre Namen und ihre Polizeifotos zu veröffentlichen. 2001, als sie 18 Jahre alt waren, wurden sie unter strengen Auflagen und mit einer neuen Identität entlassen, einer von ihnen sitzt mittlerweile wieder in einer Haftanstalt.

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