Großbritannien:Von allem etwas

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Pregnant Man Goes Bankrupt But Still Wants Fourth Child

Als erster "schwangerer Mann" gilt der US-Amerikaner Thomas Beatie.

(Foto: Getty Images)

Eine Frau wird zum Mann, möchte aber ihr Kind gerne selbst austragen. Die Sensation, von der die Presse nun schreibt, ist eigentlich gar nicht so sensationell.

Von Christina Berndt

Die Welt ist reich an ungewöhnlichen Familienkonstellationen - Babys mit Omas, die auch ihre Mütter sind, gibt es ebenso wie Kinder mit drei genetischen Elternteilen. Und schwule Eltern sind sowieso schon normal. Doch dass ein Mann sein Kind auch selbst austrägt, lässt immer noch aufhorchen. Und so werden Schlagzeilen wie die vom ersten schwangeren Mann Großbritanniens dieser Tage mit dem Wörtchen "Sensation" davor gedruckt. Offenbar gibt es im Südwesten Englands jetzt tatsächlich einen schwangeren Mann. Der 20-jährige Hayden Cross wird, wenn alles gutgeht, in fünf Monaten ein Kind zur Welt bringen. In der britischen Sun präsentierte er seinen Babybauch.

Doch so sensationell, wie die Sache klingt, ist sie gar nicht: Cross ist zwar formal ein Mann, aber er ist ein Transmann. Er kam also als Frau zur Welt. Vor drei Jahren wurde er vor den Behörden zum Mann, und nach und nach wollte er das auch körperlich werden: Er nahm männliche Hormone ein, die für markantere Gesichtszüge, stärkere Körperbehaarung und eine tiefere Stimme sorgten, schließlich wollte er auch eine operative Geschlechtsangleichung beginnen. Doch Cross wusste: Kinder würde er danach nicht mehr bekommen können. Das aber war sein sehnlicher Wunsch: "Ich werde der beste Papa sein", ist er überzeugt. Um sich später noch fortpflanzen zu können, wollte Cross deshalb seine Eierstöcke einfrieren lassen. Nur: Die Krankenkasse verweigerte die Kostenübernahme, und so entschied Cross, selbst noch schwanger zu werden und ein Kind auszutragen, bevor er seine Weiblichkeit ganz beenden würde. Über Facebook fand er einen Samenspender.

Hayden Cross ist nicht der erste Mann, der ein Kind austrägt. Schon 2008 gebar der Amerikaner Thomas Beatie eine Tochter, zwei Söhne folgten. Fotos des Bärtigen mit Babybauch gingen um die Welt. Auch in Berlin gebar 2013 ein Mann ein Kind. Per Hauspost informierte damals das Standesamt im Rathaus Berlin-Neukölln über die "Geburt eines Kindes durch einen gebärenden Mann", wie der Spiegel berichtete. Der Berliner bestand darauf, als Vater und nicht als Mutter seiner Tochter eingetragen zu werden, "weil er ja eben nicht die Frau, die das Kind geboren hat, sei, sondern ein Mann". Die Behörde hatte Verständnis.

Schwangere Transmänner werden wohl seltene Ausnahmefälle bleiben. Aber Potenzial gibt es: Seit 2011 können Transsexuelle in Deutschland auch ohne Operation ihren Geschlechtseintrag im Geburtsregister wechseln, psychologische Gutachten reichen dazu aus. Deshalb leben hierzulande wahrscheinlich Hunderte Männer, die schwanger werden können. Allerdings ist fraglich, ob viele von ihnen für die Geburt eines Kindes noch einmal das Geschlecht ausleben würden, das sie ja eigentlich nicht haben wollen.

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