SZ-Kolumne "Bester Dinge":Der reifste Look der WM

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(Foto: Tim Nwachukwu/Getty Images)

Graue Haare lassen Menschen alt aussehen? Nicht, wenn man dem Farbton einen cooleren Namen verpasst.

Von Violetta Simon

Es soll vorkommen, dass Menschen über Nacht ergrauen. Gerade trifft das allerdings eher auf Personen zu, die weder das düstere Schicksal einer Marie Antoinette noch den Mut zur Natürlichkeit einer Birgit Schrowange teilen. Während viele Frauen und auch immer mehr Männer ihr Haar in seiner ursprünglichen Farbe kolorieren, um den sichtbaren Alterungsprozess zu verlangsamen, versilbern sich andere freiwillig - warum nur?

Eine Antwort findet man vielleicht bei Julia Fox. Die Schauspielerin sorgte nämlich kürzlich auf einem Modedesign-Event für Schlagzeilen: Sie erschien als Model mit grau gefärbtem Haar. Nein, falsch! Dem Guardian zufolge handelte es sich um ein "unverwechselbares Austergrau". Die Botschaft: Mag ja sein, dass grau bisher für alt stand. Ab heute ist grau als ästhetische Entscheidung zu verstehen und damit voll hipp.

Junge Frauen wie Ariana Grande oder Winnie Harlow haben schon vor Jahren mit dem Look experimentiert, doch die Verkaufe unter Hashtags wie #grannyhair war schwach - wer will schon aussehen wie die eigene Großmutter. An die angesagten Shades of Grey wagen sich aber sogar die Herren ran: US-Verteidiger Sergiño Dest trat die WM in Katar mit austergrau gefärbtem Haar an - oder war es ein zartes perlmuttblond? Egal, mehr Publikum kann ein Trend kaum erreichen. Wenn das so weitergeht, drohen am Ende Lieferengpässe.

Wäre es nicht schön, diesen Euphemismus auch anderen negativ besetzten Alterserscheinungen angedeihen zu lassen? Im Grunde sind doch auch Krähenfüße nur besonders eindrucksvolle Lebenslinien.

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