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Grab von Karl Marx:Gewalt-Manifest

Philosopher Marx's grave site is seen vandalised with red paint in London

"Der berühmteste Bewohner ist Karl Marx", heißt es auf der Website des Highgate-Friedhofs.

(Foto: Reuters)

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen beschädigen Vandalen Karl Marx' Grab auf dem Highgate Cemetery in London. Die Schäden sind wohl irreparabel.

An sonnigen Wochenenden sind nicht nur grüne Lungen wie der Hyde-Park oder Kew Gardens Anziehungspunkte für Londoner und Touristen in der Metropole, sondern auch der berühmte Friedhof im Stadtteil Highgate. Er ist, seit Mitte des 18. Jahrhunderts, einer jener Parks, in denen die Londoner ihre Toten begraben können, wenn sie die Bestattung auf einem kirchlichen Friedhof umgehen wollen. Unter Bäumen, zwischen Narzissen und Krokussen, sind die Grabplatten so eng gelegt, dass sie einander fast berühren, viele tragen ausführliche und rührende Inschriften, Verszeilen, Liebeserklärungen.

Auf dem Highgate Cemetery liegen zahlreiche Berühmtheiten, aber die Hauptattraktion ist zweifelsohne Karl Marx, der bis zu seinem Tod in London gelebt hatte. Sein ursprüngliches Grab befand sich etwa zweihundert Meter weiter, der Philosoph und Kommunist war 1883 dort bestattet, aber 1954 in das größere, besser zugängliche Denkmal umgebettet worden.

Dieser Tage zieht es besonders viele Besucher zu Marx' Grab, sei es aus Neugier oder aus Betroffenheit. Das Monument ist vor wenigen Tagen zum zweiten Mal binnen weniger Wochen von Vandalen beschädigt worden. Erst Anfang Februar hatten Unbekannte die Inschrift auf der Marmorplatte mit einem Hammer zerschlagen, auf der festgehalten ist, dass hier Jenny von Westphalen, Marx' Ehefrau, er selbst sowie Familienmitglieder begraben seien.

Das Grab des Autors des "Kommunistischen Manifests" war immer Pilgerort für Anhänger, aber auch Ziel von Anschlägen, darunter zwei Bombenattentate in den 70ern. Ian Dungavell von der Stiftung Friends of Highgate Cemetery geht daher davon aus, dass das Grab gezielt ausgewählt worden und das Denkmal diesmal nicht komplett wiederherzustellen ist. Er nannte die Tat im Guardian eine "schreckliche Sache".

In der Nacht zum Samstag folgte eine zweite Attacke, diesmal mit roter Farbe. "Memorial für den bolschewistischen Holocaust 1917-1953" und "66 000 000 Tote" hatte jemand auf die Front gepinselt, auf der einer der wohl berühmtesten Sätze von Marx eingelassen ist: "Proletarier aller Länder, vereinigt euch". Auf einer Seite stand in Blutrot: "Doktrin des Hasses", auf der anderen "Architekt des Genozids".

Zwei Tage später ist der Großteil der Farbe abgewaschen. Besucher sind fassungslos - und wütend. Einige haben Blumen abgelegt, eine katalanische Abordnung hat ein Plakat mit dem Schlachtruf "No Pasaran" neben dem Denkmal platziert. Das Unverständnis über die Attacke ist groß: "Der Holocaust geht auf das Konto der Deutschen", schreibt ein Marx-Fan auf Twitter, "und die Toten der russischen Säuberungen gehen auf Stalins Konto. Marx ist unschuldig."