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Diskussion um den "Görli":Gekennzeichnete Flächen für Drogendealer in Berliner Park

Rosa Rahmen für Dealer

Eine farbige Markierung ist an einem Eingang zum Görlitzer Park auf dem Boden zu sehen. Dort sollen nach Vorstellung des Parkmanagers die Drogendealer künftig stehen.

(Foto: dpa)
  • Um Drogendealer von Passanten im Görlitzer Park zu trennen, will der Parkmanager sie in bestimmte Stehzonen verweisen.
  • Mit pinker Sprühfarbe hat er Bereiche auf den schmalen Wegen markiert, die die Dealer nicht verlassen sollen.
  • In der Politik reicht die Reaktion von verwundert bis empört. Auch die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler (CSU), äußert Kritik.

Der Görlitzer Park ist berühmt-berüchtigt: als der bekannteste Drogen-Hotspot der Hauptstadt. Vergeblich hat die Hauptstadt jahrelang versucht, den offen zu Tage tretenden Rauschgifthandel im "Görli" mit einer Null-Toleranz-Politik einzudämmen. Doch weiterhin stehen Dealer Spalier oder in größeren Ansammlungen herum, sprechen auch Eltern mit Kindern an, um Drogen anzubieten.

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Im Auftrag des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg soll Cengiz Demirci den Park für Anwohner, Touristen und das Image der Stadt auf Vordermann bringen. Er ist Parkmanager. Um die Probleme in den Griff zu bekommen, setzt er auf Dialog - und neuerdings auch auf pinke Sprühfarbe. Damit die überall auf Kundschaft wartenden Drogendealer, die trotz ständiger Polizeikontrollen nie aus dem Park verschwanden, die Besucher weniger belästigen, will er sie in feste Zonen verbannen.

Demirci hat kleine Rechtecke auf die asphaltierten Parkwege gesprüht, winzige Stehzonen für die vorwiegend männlichen Dealer. So wolle er zwischen den Verkäufern größere Abstände schaffen, sagte Demirci dem RBB. "Es ist keine Legalisierung des Verkaufs. Wir wollen nur, dass die Menschen nicht gestört werden", verteidigte der Parkmanager in der Abendschau des Senders seine Idee.

Unterstützung erhält der Parkmanager vom zuständigen Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne). Drogenverkauf könne immer nur verschoben werden. "Man muss mit den Realitäten vor Ort umgehen", sagte Schmidt dem RBB.

"Einladung zum Rechtsburch"

Die Berliner Oppositionsparteien sehen das natürlich anders, CDU und FDP antworten auf Demircis Idee empört. Die Zuweisung von Flächen sei eine "Einladung zum Rechtsbruch und ein Verrat der Anwohner-Interessen", teilte CDU-Fraktionschef Burkard Dregger mit. Das Bezirksamt unterstütze mit den markierten Zonen den Drogenhandel der organisierten Kriminalität. "Das muss strafrechtliche und politische Folgen haben."

Auch die Drogenbeauftragte des Bundes, Marlene Mortler, kritisiert Demircis Aktion. "Wenn das so stimmt, dann ist das eine Kapitulation des Rechtsstaates", sagte die CSU-Politikerin der Berliner Morgenpost. Gegenüber der Lokalzeitung äußerte sich auch die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Demnach spiegele der Vorschlag des Parkmanagers in keiner Weise Pläne des Bezirks wider. Der Vorschlag müsse jetzt zwischen Parkrat und Bezirksamt diskutiert werden.