Glücksspiel Jeder zweite zockt

Mehr als die Hälfte der Deutschen beteiligt sich laut einer Studie an Glücksspielen. Bei rund 100.000 von ihnen ist das Streben nach Glück krankhaft. Jugendliche sind besonders durch Internet-Glücksspiele suchtgefährdet.

Poker und Glücksspiele im Internet stellen für junge Menschen nach einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter allen Glücksspielen die größten Suchtgefahren dar.

Ein Pokerspieler in der Spielbank Hamburg: Insgesamt gelten gut 100.000 Menschen in Deutschland als spielsüchtig.

(Foto: Foto: dpa)

Mit Sorge betrachtet die Gesundheitszentrale die Ausbreitung des Poker-Spielens und die Zunahme von Glücksspielangeboten im Internet. In nicht unerheblichem Maße würden davon Jugendliche angezogen, die nach dem Jugendschutz keinen Zugang zum Glücksspiel haben dürften, sagte die Direktorin der BZgA, Elisabeth Pott.

Neben den bekannten Gefährdungspotenzialen durch Glücks- und Geldspielautomaten würden vor allem junge Männer und Jugendliche von diesen Angeboten angezogen, sagte Pott bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag in Düsseldorf. "Im Internet sind die pathologischen Glücksspieler zu finden", sagte sie am Rande der Jahrespressekonferenz des staatlichen Glücksspielanbieters WestLotto.

Insgesamt gelten gut 100.000 Menschen in Deutschland als spielsüchtig, teilte die BZgA am Donnerstag unter Berufung auf die repräsentative Befragung mit. Rund 225.000 Menschen in Deutschland sind nach einer Schätzung der BZgA von Glücksspielsucht bedroht. Für diese Gruppe seien besonders Glücksspielautomaten und Geldspielgeräte attraktiv, hieß es.

Mehr Männer als Frauen spielen

Insgesamt sei die Spielsucht in Deutschland im Vergleich zu anderen Suchterkrankungen aber niedrig, räumte BZnG-Direktorin Pott ein. So gebe es insgesamt 18 Millionen bis 20 Millionen Raucher und etwa 1,8 Millionen Alkoholabhängige in Deutschland.

Laut BZgA wurden für die Studie gut 10.000 Bundesbürger im Alter zwischen 16 und 65 Jahren nach ihrem Glücksspielverhalten befragt. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten gab bei der Befragung an, in den vergangenen zwölf Monaten schon einmal oder mehrere Male ein Glücksspiel gespielt zu haben. Bei den Männern fällt die Teilnahme mit 60 Prozent höher aus als bei den Frauen mit 50 Prozent. Hoch im Kurs ist vor allem die Zahlenlotterie: Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, "6 aus 49" gespielt zu haben. Mehr als ein Viertel hatte beim "Spiel 77" oder bei der "Super 6" auf einen Gewinn gehofft.

Umsatzeinbußen bei WestLotto und Oddset

WestLotto hatte im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen von 2,4 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro verzeichnet. Geschäftsführer Winfried Wortmann begründete den Rückgang unter anderem mit Beschränkungen bei Werbung und Vertrieb aus Gründen der Suchtprävention. Nach Inkrafttreten des neuen Glückspielstaatsvertrages zum 1. Januar 2008 schrumpften die Westlotto-Erlöse im ersten Halbjahr weiter. Insgesamt lagen sie bei einem Minus von fünf Prozent. Bei der staatlichen Sportwette Oddset waren es sogar Einbußen von 18 Prozent. Westlotto erwartet für das zweite Halbjahr keine weiteren Umsatzeinbußen.

Für öffentliche Aufgaben führte die Lottogesellschaft im vergangenen Jahr 711 Millionen Euro an Steuern und Abgaben ab, die gemeinnützige Empfänger in NRW erhalten. Dazu gehören unter anderem das Deutsche Rote Kreuz und Wohlfahrtsverbände. Auf die Förderung des Sports entfiel eine Unterstützung von 140 Millionen Euro. Seinen Annahmestellen in NRW wird Westlotto insgesamt 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das wäre im Durchschnitt ein Betrag von 300 Euro für jede Lottoannahmestelle.

Mit dem neuen Glückspielstaatsvertrag habe sich in der Branche ein Paradigmenwechsel vollzogen, sagte Wortmann weiter. Westlotto stehe dabei auch vor einem Spagat, nämlich der Spielsuchtprävention auf der einen Seite und der Forderung nach ausreichenden Angeboten auf der anderen. In diesem Zusammenhang rügte er das Vorgehen von Wettbewerbern aus dem In- und Ausland, die ohne Konzession arbeiteten und ihren Marktanteil aggressiv ausbauten, ohne sich an die Vorgaben des Staatsvertrages zu halten.

Unter anderem schreibt das Papier den Verzicht auf Angebote im Internet und lässt Sportwetten nur von staatlichen Anbietern zu. Wortmann forderte die Behörden auf, die Einhaltung des Staatsvertrages zu überwachen.