Liza Minnelli sieht immer noch aus wie sie selbst in der Comedyserie "Arrested Development", bloß ein bisschen älter. Sie spielt dort so hinreißend wie schmerzbefreit Lucille Austero, eine Society-Schachtel, die regelmäßig die Kontrolle verliert, mal bricht sie im Restaurant in Stöhnen aus, mal purzelt sie durch den Vorgarten. Ein bisschen schimmert in dieser Rolle immer die echte Minnelli durch. Die verschwindet vielleicht gelegentlich in einer Entzugsklinik, aber wenn sie ein Publikum findet, irgendeins, dann wird sie es unterhalten. Egal, ob sie dafür singen muss oder schauspielern - oder sich selbst auf die Schippe nehmen. Diese seltene Mischung aus Glamour, Talent und Selbstironie hat sie zu einer Schwulenikone gemacht, sogar zur einzigen Erbschwulenikone überhaupt: Schon ihre Mutter Judy Garland war nämlich eine, und das, obwohl es zu ihrer Zeit noch gar keine Schwulenbewegung gab.
Als Show-Lady zu altern ist schwer. Die ganze Welt schaut einem zu - und wartet im Zweifelsfall nur auf den nächsten Fehler. Liza Minnelli hat davon ihrer langen Karriere viele gemacht. Trotzdem: Wer nach jedem Hinfallen so beschwingt und gut geföhnt wieder aufstehen kann, den wirft irgendwann gar nichts mehr um. Nicht einmal der eigene 70. Geburtstag.
Die Minnelli lebt für den Auftritt; bevor sie auf eine Bühne geht, sagte sie mal, fühle sie sich wie ein Rennpferd vor dem Start. Es ist früh klar, dass sie ins Rampenlicht gehört. Geboren wird sie am 12. März 1946 in eine Kino-Familie, der Vater ist der Regisseur Vincente Minnelli, Mutter Judy Garland, die Dorothy aus dem "Zauberer von Oz", ist bis heute eine Ikone der Musical-Ära Hollywoods. Den ersten Tony Award für eine Broadway-Produktion erhält Minnelli mit 19, und als sie eine labile junge Frau in "Pookie" spielt, 1969, wird sie gleich für einen Oscar nominiert. Nur drei Jahre später ist sie ein Weltstar, ihre Darstellung der Sally Bowles in "Cabaret" wird legendär. "Cabaret", das ist die Neuerfindung des Musikfilms für die politisierten Siebzigerjahre. Sally ist Sängerin in Berlin 1931, um sie herum macht sich der Faschismus breit, und Minnelli personifiziert auf der Bühne des Nachtklubs mit Strumpfhaltern, schwarzem Hut und dick getuschten falschen Wimpern die lebenshungrige Gegenwelt. Minnelli gewinnt einen Oscar, der Film bekommt noch sieben weitere Trophäen.
Was folgt, ist eine Achterbahnfahrt, bis heute. Minnelli versucht zunächst vergeblich, ihren Kinoerfolg zu wiederholen, fortan stöckelt sie durchs Fernsehen, in Rollen, die mit wenig Ehrgeiz ausgesucht sind. Zwischendurch stolpert sie wegen Alkohol- und Tablettensucht in verschiedene Entziehungskliniken - und unterhält die Klatschpresse mit einem Liebesleben, zu dem neben vier Ehe-Versuchen eine ganze Batterie an exquisiten Affären gehört.
Die meisten Menschen wären nach den Abstürzen und Misserfolgen, die Liza Minnelli erlebt hat, irgendwann einfach liegen geblieben. Sie - die zu dem äußerst exklusiven Klub von weltweit 16 Leuten gehört, die im Showbiz einen Oscar, einen Tony, einen Emmy und einen Grammy gewonnen haben - nicht. Dafür, und weil sie an diesem Samstag ihren 70. Geburtstag feiert: Glückwunsch!
