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Gilbert Baker:Die Regenbogenfahne weht auf Halbmast

Gilbert Baker, gehüllt in eine Regenbogenflagge, vor etwas mehr als einem Jahr in New York

(Foto: AFP)
  • Gilbert Baker, Erfinder der Regenbogenfahne, stirbt im Alter von 65 Jahren.
  • Der Künstler und Aktivist kämpfte seit den 1970er Jahren für die Rechte von Schwulen und Lesben.

Die wohl farbenfrohste Flagge der Welt, die sonst auf Gay-Pride-Paraden und am Christopher-Street-Day geschwenkt wird, hängt auf Halbmast. Gilbert Baker, Erfinder des bedeutendsten Symbols der LGBT-Bewegung weltweit, ist tot. Zu seinen Ehren wies auch der Bürgermeister von San Francisco, Ed Lee, eine Trauerbeflaggung der besonderen Art an:

Baker starb im Alter von 65 Jahren im Schlaf in der Nacht zum Freitag in seiner Wohnung in New York, wie der San Francisco Chronicle berichtet. Ein enger Freund, der Aktivist Cleve Jones, gab Bakers Tod bekannt und twitterte:

Weltweit wird nun auf der Straße und im Netz an Baker erinnert - und an sein Erbe, das seit fast 40 Jahren für den Kampf für die Rechte Homosexueller steht.

Die erste Regenbogenfahne nähte Baker, der sich nach seinem Ausscheiden aus der Armee das Schneidern beigebracht hatte, noch eigenhändig zusammen. Das Symbol des Regenbogens war ursprünglich durch den Song "Over the Rainbow" von Judy Garland, einer frühen Ikone der Schwulenbewegung, in die Community gelangt. Er habe von der ersten Flagge an gewusst, dass sie sein Lebenswerk sei. Für jeden Protestmarsch, jede Feier, jede Gedenkveranstaltung sei Baker stetig am Nähen gewesen, sagte Jones über seinen Freund, dem er damals noch beim Färben der Stoffe geholfen hatte.

Das Symbol, das die Gay-Rights-Bewegung einte

Mit der Regenbogenfahne verschaffte Baker, der in den 1970er Jahren in San Fancisco in der Gay-Rights-Bewegung engagiert war, der schwulen und lesbischen Community endlich das einende Symbol, das sie schon so lange suchte. Anders als bei anderen Zeichen - wie dem belasteten, weil ursprünglich von den Nazis verwendeten pinkfarbenen Dreieck - konnten sich alle auf die farbenprächtige, für Vielfalt und Lebensfreude stehende bunte Fahne verständigen. Schlicht im Design und einfach zu fertigen war sie außerdem.

Die bunte Flagge wehte erstmals im Juni 1978 beim Gay Freedom Day in San Francisco, der Vorbild für die späteren Gay-Pride-Paraden in aller Welt war. Die frühen Regenbogenflaggen hatten im Gegensatz zu den heute verwendeten Fahnen noch acht Farben, wobei Baker die Rottöne oben und die Blautöne unten platzierte. Bei der Regenbogenfahne der internationalen Friedensbewegung, auf die in der Regel noch in weißer Schrift "Pace" (italienisch für Frieden) gedruckt ist, ist es genau anders herum.

Der Politiker und Aktivist Harvey Milk, mit dem Baker befreundet war, bat ihn schließlich um weitere Fahnen, die rasch Verbreitung fanden. Tragischerweise umso mehr mit der Ermordung Milks im November 1978: Auf dem Protest- und Trauermarsch zu seinen Ehren wurde die Flagge als offizielles Symbol verwendet.

Warum Pink aus dem Regenbogen verschwand

Da waren aus den acht Farben bereits sechs geworden. Das von Baker ursprünglich vorgesehehene knallige Pink, das für Sexualität stand, musste zwecks Massentauglichkeit entfallen. Allerdings nicht aus politischen Gründen oder Prüderie, sondern schlicht deswegen, weil die Farbe damals noch nicht industriell herstellbar war. Das für Kunst stehende Türkis wurde ebenfalls entfernt - ob aus drucktechnischen oder aus Gründen der Symmetrie ist umstritten. Bis heute geblieben sind Rot (= Leben), Orange (= Heilung), Gelb (= Sonnenlicht), Grün (= Natur), Blau (= Harmonie) und Violett (= Geist).

Mit der immer mit Baker verbundenen Fahne wird nun auch seines Tods gedacht. Sie ist sein Erbe, das er seinem Freund Cleve Jones zufolge, als "Geschenk an die Welt" verstanden wissen und für das er bewusst keinen Patent- oder Markenschutz geltend machen wollte. Der Regisseur und Autor Dustin Lance Black, der 2009 für das Drehbuch des Films "Milk", in dem Sean Penn den schwulen Politiker spielt, einen Oscar gewonnen hatte, twitterte:

Mit Material von AFP.

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