Süddeutsche Zeitung

Gewalt gegen Gefängnisinsassen:Australien zieht Klage gegen misshandelte Jugendliche zurück

  • In australischen Jugendgefängnissen werden immer wieder jugendliche Straftäter vom Personal misshandelt.
  • Die Debatte darüber hatten Anfang der Woche Videoaufnahmen wieder aufleben lassen, die der Sender ABC veröffentlicht hat.
  • Die zuständige Bezirksregierung forderte zunächst Geld von zwei betroffenen Jugendlichen - jetzt hat sie die Forderung zurückgezogen.

Videosequenzen, die der Fernsehsender ABC Anfang der Woche ausgestrahlt hat, haben in Australien die Debatte über die Zustände in Jugendgefängnissen wieder aufleben lassen. Die Aufnahmen stammen aus der Jugendhaftanstalt Don Dale am Rande des nordaustralischen Darwin. Zu sehen ist ein junger Mann. Knöchel, Handgelenke und Hals mit Riemen an einen Stuhl geschnallt, der Oberkörper nackt, Kopf und Gesicht verhüllt in einer Art weißem Sack - einem "Spucksack", der ihn daran hindern soll, Personal zu bespucken.

Der australische Regierungschef Malcolm Turnbull zeigte sich bestürzt, ebenso der Chef der Regionalregierung. Eine sofortige Untersuchung wurde angekündigt, ein Minister gefeuert. Sechs ehemalige Insassen kündigten an, die Wärter verklagen zu wollen. Doch jetzt sah es zunächst so aus, als müssten sich zwei von ihnen womöglich erst einmal selbst vor Gericht verantworten. Die Behörden verklagten sie auf hohe Schadensersatzforderungen. Diese wurden nun zurückgenommen.

Insgesamt 160 000 australische Dollar forderte die Regierung des Northern Territory, in dem das Gefängnis liegt. Die Behörden begründeten ihren Antrag mit einem Ausbruchsversuch im Frühjahr:

Den Gerichtsunterlagen zufolge sollen die Teenager am 31. Mai aus dem Gefängnis ausgebrochen sein. Am darauffolgenden Tag hätten sie mit dem gestohlenen Auto eine Gefängnistür gerammt und seien wieder in das Gefängnis eingebrochen. In der Folge sollen sie mit Verschlussmechanismen herumgespielt haben, Löcher in Wände und Decken geschlagen, Lampen und Überwachungskameras zerstört und mit einem Schlauch mehrere Räume unter Wasser gesetzt haben. Der Sender ABC zeigt ein Video von dem Vorfall.

Die Anwälte der Jugendlichen hielten dagegen, ohne die schlechte Behandlung wäre es wohl nie zu dem Ausbruchsversuch gekommen. Das scheint nun auch bei den Behörden angekommen zu sein.

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